Full text : Wirtschaft als Leben

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,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

Vereinfachungen,  die  noch  vom  Stoffe  selber  abgerungen  sind,  erscheinen ­
  für  ihren  Teil  dazu  angetan,  schrankenlos  zu  walten.
Jede  weitere  Vereinfachung  würde  Diesen  nicht  mehr  ebenbürtig
sein;  sie  wäre  aus  der  Erledigung  des  Stoffes  überhaupt  nicht  mehr  zu
rechtfertigen.  Mit  ihr  läge  also  eine  Abkehr  von  dem  vor,  was  der
Erfahrung  noch  ihr  Recht  beläßt;  und  weil  sie  eine  vermeidbare  ist,
erschiene  diese  Abkehr  als  eine  freventliche.  Das  will  sagen,  nimmt
man  noch  im  Rahmen  der  schildernden  Wissenschaft  irgendeinen
vereinfachenden  Gesichtspunkt  ein,  so  besagt  dies  klipp  und  klar  eine
Versündigung  am  Stoffe.  Eine  solche  Vereinfachung  würde  der
Erkenntnis  nicht  irgendwie  Hilfe  leihen,  sondern  ihr  den  Hals  brechen.
Wenn  also  die  Forschung,  die  vom  Geiste  der  schildernden  Wissenschaft ­
  erfüllt  sein  will,  dieser  Vereinfachung  abhold  bleibt,  so  erscheint
dies  als  eine  „Äußerung  ihres  Selbsterhaltungstriebes“;  das  will  einfach
sagen,  es  erscheint  vor  unserem  Denken  als  eine,  in  sie  verlegte  Bedingung ­
  ihres  eigenen  Fortbestandes.
Mit  dem  Nachtrag  dieser  Erwägung,  die  wohl  ebenso  einfach  wie
wuchtig  ist,  glaube  ich  die  Kette  des  Beweises  geschlossen  zu  haben,
daß  Nationalökonomie  und  schildernde  Wissenschaft
Eines  seien.  Ich  verweile  nicht  weiter  bei  dem  Verhältnisse  dieser
lebensvollen  Wissenschaft  zu  einer  ganzen  Reihe  von  Schwestern,  die
um  vollberechtigter  Lehr  zwecke  willen  ihr  volles  Daseinsrecht  besitzen; ­
  nur  sollten  sie  in  ihrem  großen  Familienkreise  die  Nationalökonomie ­
  nicht  gar  zu  sehr  als  Auchschwester  ansehen.  Eines  aber
bleibt  noch  zu  erörtern.  Es  kann  jetzt  kein  Zweifel  mehr  bestehen,
daß  die  Nationalökonomie  besser  als  ihr  Name  sei.  Aber  dieser  Abstand ­
  selber  zwischen  Name  und  Gehalt  ist  noch  in  Frage:  die
Wendung  gerade  der  lebensvollen  Forschung  gegen  die  „Volkswirtschaft“! ­
  Die  ebenbürtigen  Schwestern,  Historie  und  Nationalökonomie,
sollen  auch  bei  dieser  letzten  Erwägung  nebeneinander  bleiben.
Über  den  Gehalt  dieser  Wissenschaften  —  der  mir  seinesgleichen
zu  suchen  scheint  —  darf  uns  die  Meinung  nicht  beirren,  die  in  ihnen
selber  vorherrscht;  mehr  scheinbar,  denn  auch  da  ist  das  Denken
besser  als  sein  Wortkleid.  Es  ist  wahr,  der  Historiker  sieht  sich  nicht
schlechthin  der  „Geschichte“,  sondern  dem  „Staatlichen“,  „Politischen“,
und  der  National  Ökonom  erst  recht  nicht  dem  „Menschheitsleben“,
sondern  dem  „Wirtschaftlichen“,  im  eigentlichen  Sinne  aber  der
„Volkswirtschaft“  gegenüber.  Beides  ist  unschwer  erklärt.  Die
Trennung,  die  hier  im  Wesen  unterliegt,  jene  zwischen  berichtender
und  schildernder  Wissenschaft,  die  schweift  mit  ihrem  Um  und  Auf
viel  zu  sehr  ins  Graue  aus,  ist  gar  zu  dürres  Gedankenwerk.  Dazu  ist
            
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