Full text : Wirtschaft als Leben

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,Die  Grenzen  der  Geschichte“,

zeit,  einer  solchen  Lösung,  die  sich  förmlich  nur  eingeschlichen  hat,
ich  möchte  sagen,  einer  solchen  Lösung  aus  Versehen,  ein  wenig  auf
den  Zahn  zu  fühlen.  Ihre  Kritik  ist  aber  sehr  prekär,  weil  gerade  eine
Lösung  solcher  Art  organisch  aufgewachsen  erscheint,  weil  sie  ihrer
Entstehung  nach  auf  einer  breiten  Grundlage  von  Anschauungen  ruht,
die  vorher  schon  über  alle  Kritik  hinaus  scheinen.  Dadurch  gewinnt
die  Lösung  für  uns  den  Anschein  des  blindlings  Selbstverständlichen. ­
  Und  wie  sie  da  war,  ohne  auf  das  Problem  zu  warten,
so  läßt  sie  dieses  nun  gar  nicht  aufkommen;  sie  erdrückt  es
gleichsam.  Dies  der  Grund,  weshalb  jenes  vierte  Problem  von  den
Grenzen  der  Geschichte  für  das  wissenschaftliche  Erkenntnisstreben
eigentlich  gar  nicht  als  vorhanden  gilt.  Wenn  ich  nun  Kritik  übe
an  dieser  Lösung,  so  geschieht  es  nicht  bloß  deshalb,  um  dem  Problem
zu  seinem  Recht  zu  verhelfen.  Es  stellt  der  Zweifel  an  der
Gültigkeit  jener  Lösung  eine  häusliche  Sorge  der
Historie  und  ihrer  Geistesverwandten  dar,  brennender
und  bedeutungsvoller,  als  es  auf  den  ersten  Blick  erscheinen ­
  mag.  Das  will  ich  noch  am  Schlüsse  erörtern,  als  Moral
der  ganzen  Darlegung.
Sehen  wir  uns  jene  aufdringliche  Lösung  unseres  Problems  etwas
näher  an.  In  ihr  lebt  ein  Gedankengang,  wie  er  überzeugender  kaum
gedacht  werden  kann.  Die  Geschichte,  heißt  es  da  ungefähr,  ist  ein
Schauspiel,  dessen  Inhalt  die  Menschenschicksale  sind.  Zum  Schauspiel
gehört  notwendig  der  Schauplatz  und  gehören  notwendig  die  Akteure.
Also  ist  die  Erdgeschichte  und  dann  die  Entwicklungsgeschichte  des
Menschen  das  notwendige  Vorspiel  der  Geschichte,  und  diese  beginnt
dort,  wo  jenes  Vorspiel  endet:  also  beim  Anheben  des  Menschentumes.
Eine  Argumentation,  die  ohne  Zweifel  ungeheuer  plausibel  klingt,  weil
sich  ihre  Schwächen  gerade  bei  dieser  naiven  Form  ihres  Ausdruckes
am  besten  verhüllen.  Um  ihr  beizukommen,  muß  man  auf  die  wissenschaftlichen ­
  Anschauungen  zurückgehen,  von  deren  breitem  Rücken
diese  Lösung  emporgetragen  wird.
Im  Geiste  der  Anschauungen,  denen  diese  Lösung  entsteigt,  liegen
die  Dinge  ungefähr  so.  Jenes  der  Historie  gegenüber  primäre  Geschehen, ­
  das  wir  als  Geschichte  schlechthin  bezeichnen,  ist  darin  und
kann  nur  darin  etwas  Spezifisches  sein,  daß  es  an  den  Menschen  anknüpft; ­
  denn  es  ist  in  jenem  Geiste  nur  ein  Ausschnitt  aus  dem  Gesamtgeschehen. ­
  Soweit  es  der  historischen  Forschung  übersehbar  ist,
füllt  es  eine  Anzahl  Jahrtausende  aus,  gleichgültig,  ob  nun  zwei,  oder
fünf,  oder  fünfzehn;  daher  spreche  ich  in  der  Folge  von  dem  Ge ­
            
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