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,Die Grenzen der Geschichte 1
feststellen. Die Lage des Werkplatzes gegenüber der Lage des Bau
platzes mag in dem erschlossenen Geschehen den Ausdruck eines
Sparens mit der Arbeitskraft erkennen lassen. Auch in seiner inneren
Verflechtung, in seiner Stückelung nach Akten und in seinem ganzen
Hergang, erkennen wir das Geschehen aus seinem Zusammenhang mit
späterem und ebenso auch mit früherem Geschehen. So läßt sich
z. B. die ganze Entwicklung der römischen Bautechnik mit diesem
Geschehen in einen Zusammenhang bringen, der uns das Geschehen
als solches in seinem besonderen Gepräge erklärt. Es gilt von allen
diesen Zusammenhängen, daß ihre Aufdeckung im strengsten Sinne
eine Erklärung des Geschehens selber darstellt, und nicht
bloß seines Eintrittes.
Gewiß denkt man sich auch den Kausalzusammenhang so, daß
er schließlich alles mit allem verbindet. Er tut es aber stets nur von
Station zu Station; er verkettet eben nur, aber er übergreift sich
als Zusammenhang niemals, er verknüpft also nichtI Der Vor
stellung nach könnten wir uns wohl aus dem großen Kausalzusammen
hang begreiflich machen, wie es kam, daß an dieser bestimmten Stelle
ein Wasser bestimmter Bewegungsart, unter bestimmten Umständen,
mit einer bestimmten mineralischen Spezies in Kontakt gelangt ist.
Für das Begreifen des Geschehens, das aus diesem Kontakt ent
springt, lernen wir daraus auch nicht das mindeste. Für sein Be
greifen sind wir, nach wie vor, auf den Analogieschluß vom Ge
schehenden auf das Geschehene angewiesen: der Kontakt von Wasser
und Glimmer wirkt so und so, ergibt dieses und dieses Geschehen.
Und es ist dabei absolut gleichgültig, wie es im Ablauf des früheren
Geschehens zu diesem bestimmten Kontakt gekommen ist.
Ein Geschehen aber, daß wir als ein Geflecht vernünftigen Tuns
erschließen, ist bis ins Innerste hinein ein Geschöpf
seiner Zusammenhänge mit anderem Geschehen. Je
tiefer wir in diese Zusammenhänge eindringen, desto greifbarer wird
uns nebenbei die Einsicht, daß ein Geschehen dieser ganz bestimmten
Art eben nur an diesem Orte, zu dieser Zeit und in dieser Verflechtung
möglich war. Auch „die Natur ist nur einmal da“ (Mach). Hier
aber wird uns das Einmalige, das Niewiederkehrende des Geschehens
klar erfaßlich, weil seine Eigenart darin wurzelt. In den großen
Zusammenhang des Erlebten knüpft sich dieses Geschehen an einer
ganz bestimmten Stelle ein, und gerade aus dieser einzigen
Position schöpft das Geschehen sein ganzes Um und
Auf. Je sorglicher wir seine Einknüpfung erschließen, desto verständ
licher wird uns das Geschehen, als solches. Einverständnis, dem