IO
,Der Wertgedanke“,
Wirrnis, in der sie schmachtet, erhofft die „Wertlehre“ von dem Siege
einer der vorhandenen oder erst künftigen „Werttheorien“.
Vom Standpunkte des einzelnen Theoretikers ist die Hoffnung
sehr begreiflich; indem er nämlich dabei immer seine eigene „Wert
theorie“ im Auge hat. Noch ist keine „Werttheorie“ aufgetreten, bei
der nicht diese Hoffnung Gevatter stund. Denn wie der Schöpfer
einer solchen „Werttheorie“ im Grundsätze so denkt, daß sie allein
die ganze „Wertlehre“ aufwiege, die vorhergegangenen unter ihres
gleichen entbehrlich, die kommenden überflüssig mache, so hofft er
eben, daß es auch in der Tatsache so käme: daß vor der eigenen
die Vertreter der früheren „Werttheorien“ verstummten und keine
weiteren aufkämen.
Für die Allgemeinheit liegen aber die Dinge doch wesentlich
anders. Der klägliche Zustand der „Wertlehre“, ihre Zerfahrenheit und
schwebende Unentschiedenheit wurzelt ja gerade in dem dauernden
Nebeneinander dieser „Werttheorien“, von denen jede einzelne dauernd
den Anspruch auf alleinige Geltung und Anerkennung erhebt, an Stelle
aller übrigen und ihnen zum Trotz. Nun sollte sich dieser Zustand in
der Weise beheben, daß auf einmal doch eine dieser „Werttheorien“
dort siegt, wo sie alle bisher fehlgeschlagen haben: In eben jenem An
sprüche auf alleinige und damit auf allgemeine Geltung und Aner
kennung! Man möchte glauben, es wäre dies nur möglich, wenn eine
der „Werttheorien“ zufällig allein zurückbliebe, die Vertreter der bis
herigen ausstürben, und die künftigen gegen alle Erwartung ausblieben.
Und doch harrt, selbst in der Allgemeinheit, die „Wertlehre“ immerzu
dieser Botschaft des Heils.
Das allein ist recht seltsam. Es kann nur noch seltsamer er
scheinen, wenn man den Widerspruch stärker hervorhebt, in welchen
sich hierbei die allgemeine Anschauung in der „Wertlehre“ zur Er
fahrung setzt. Man kann ruhig sagen, jener unwürdige Zustand der
„Wertlehre“ ist nicht viel älter als die Hoffnung, daß er sich auf dem
Wege beheben läßt, den man gleichsam für den natürlichen hält: durch
den endlichen Sieg einer „Werttheorie“. Soviel „Werttheorien“ in
ihrem unentschiedenen Kampfe gegeneinander stehen geblieben
sind, soviel betrogene Hoffnungen! Es hat sich diese Hoffnung —
für die subjektive Anschauung eines einzelnen Theoretikers — manch
mal bis auf einen hohen Grad der Sicherheit hinaufgewagt. Lange
vor unseren Tagen hat J. S. Mi 11 das stolze Wort gesprochen:
„Happily, there is nothing in the laws of Value, which remains for the
present or any future writer to clear up; the theory of the subject is complete.“
(Principles, Bk. III. Ch. I.)