Full text : Wirtschaft als Leben

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,Der  Wertgedanke“,

Wirrnis,  in  der  sie  schmachtet,  erhofft  die  „Wertlehre“  von  dem  Siege
einer  der  vorhandenen  oder  erst  künftigen  „Werttheorien“.
Vom  Standpunkte  des  einzelnen  Theoretikers  ist  die  Hoffnung
sehr  begreiflich;  indem  er  nämlich  dabei  immer  seine  eigene  „Werttheorie“ ­
  im  Auge  hat.  Noch  ist  keine  „Werttheorie“  aufgetreten,  bei
der  nicht  diese  Hoffnung  Gevatter  stund.  Denn  wie  der  Schöpfer
einer  solchen  „Werttheorie“  im  Grundsätze  so  denkt,  daß  sie  allein
die  ganze  „Wertlehre“  aufwiege,  die  vorhergegangenen  unter  ihresgleichen ­
  entbehrlich,  die  kommenden  überflüssig  mache,  so  hofft  er
eben,  daß  es  auch  in  der  Tatsache  so  käme:  daß  vor  der  eigenen
die  Vertreter  der  früheren  „Werttheorien“  verstummten  und  keine
weiteren  aufkämen.
Für  die  Allgemeinheit  liegen  aber  die  Dinge  doch  wesentlich
anders.  Der  klägliche  Zustand  der  „Wertlehre“,  ihre  Zerfahrenheit  und
schwebende  Unentschiedenheit  wurzelt  ja  gerade  in  dem  dauernden
Nebeneinander  dieser  „Werttheorien“,  von  denen  jede  einzelne  dauernd
den  Anspruch  auf  alleinige  Geltung  und  Anerkennung  erhebt,  an  Stelle
aller  übrigen  und  ihnen  zum  Trotz.  Nun  sollte  sich  dieser  Zustand  in
der  Weise  beheben,  daß  auf  einmal  doch  eine  dieser  „Werttheorien“
dort  siegt,  wo  sie  alle  bisher  fehlgeschlagen  haben:  In  eben  jenem  Ansprüche ­
  auf  alleinige  und  damit  auf  allgemeine  Geltung  und  Anerkennung! ­
  Man  möchte  glauben,  es  wäre  dies  nur  möglich,  wenn  eine
der  „Werttheorien“  zufällig  allein  zurückbliebe,  die  Vertreter  der  bisherigen ­
  ausstürben,  und  die  künftigen  gegen  alle  Erwartung  ausblieben.
Und  doch  harrt,  selbst  in  der  Allgemeinheit,  die  „Wertlehre“  immerzu
dieser  Botschaft  des  Heils.
Das  allein  ist  recht  seltsam.  Es  kann  nur  noch  seltsamer  erscheinen, ­
  wenn  man  den  Widerspruch  stärker  hervorhebt,  in  welchen
sich  hierbei  die  allgemeine  Anschauung  in  der  „Wertlehre“  zur  Erfahrung ­
  setzt.  Man  kann  ruhig  sagen,  jener  unwürdige  Zustand  der
„Wertlehre“  ist  nicht  viel  älter  als  die  Hoffnung,  daß  er  sich  auf  dem
Wege  beheben  läßt,  den  man  gleichsam  für  den  natürlichen  hält:  durch
den  endlichen  Sieg  einer  „Werttheorie“.  Soviel  „Werttheorien“  in
ihrem  unentschiedenen  Kampfe  gegeneinander  stehen  geblieben
sind,  soviel  betrogene  Hoffnungen!  Es  hat  sich  diese  Hoffnung  —
für  die  subjektive  Anschauung  eines  einzelnen  Theoretikers  —  manchmal ­
  bis  auf  einen  hohen  Grad  der  Sicherheit  hinaufgewagt.  Lange
vor  unseren  Tagen  hat  J.  S.  Mi  11  das  stolze  Wort  gesprochen:
„Happily,  there  is  nothing  in  the  laws  of  Value,  which  remains  for  the
present  or  any  future  writer  to  clear  up;  the  theory  of  the  subject  is  complete.“
(Principles,  Bk.  III.  Ch.  I.)
            
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