Full text : Wirtschaft als Leben

406

,Die  Grenzen  der  Geschichte“,

sammenhang  der  Geschichte  ist,  das  bedeutet  für  die  Metahistorie ­
  der  große  Kausalzusammenhang  der  Erscheinungen. ­
  Darnach  läßt  sich  der  Grad  bestimmen,  in  welchem  die
eine  und  die  andere  Erkenntnisart  über  die  Ve  rgangenheit  Aufschluß ­
  erbringt.  Die  historische  Erkenntnis  tut  es  in  dem  Ausmaße, ­
  als  sie  den  Geschehenszusammenhang  der  Geschichte  aufzurollen
vermag;  die  metahistorische  Erkenntnis  aber  täte  es  in
dem  Ausmaße,  als  es  ihr  gelingt,  den  Kausalzusammenhang ­
  aufzurollen.  Vergleichen  wir  also  den  Erfolg  hüben  und
drüben.
Die  historische  Erkenntnis  richtet  den  Blick  geradeaus  auf  den
Geschehenszusammenhang  der  Geschichte.  Sie  trachtet  ja  das  Geschehen
um  seiner  selbst  willen  aufzudecken;  alles  Seiende,  die  räumlichen
Dinge,  das  gilt  ihr  nur  als  ein  mehr  oder  minder  taugliches  Mittel  zum
Zweck.  In  ihrem  Streben  jedoch,  den  Geschehenszusammenhang  der
Geschichte  aufzurollen,  muß  sich  die  historische  Erkenntnis  von  Haus
aus  Beschränkungen  auferlegen.  Sie  vermag  diesem  Zusammenhang ­
  nicht  in  seiner  vollen  Ausdehnung  nachzueifern.  Das  würde  alle
reale  Möglichkeit  der  Erkenntnis  selbst  dann  übersteigen,  wenn  die
Mittel  dazu,  die  „Quellen“,  unbeschränkt  zur  Verfügung  stünden.  Ist
doch  die  Fülle  des  Erlebten  —  dieses  im  strengsten  und  nicht  in  jenem ­
  alltäglichen  Sinne  der  „Erlebnisse“  gemeint,  der  selber  schon  eine
weitgehende  Auswahl  in  sich  schließt  —  schon  für  den  einzelnen  eine
mehr  als  erdrückende.  So  muß  sich  die  historische  Forschung  dazu
verstehen,  unter  dem,  was  sie  feststellen  könnte,  eine  Auswahl ­
  zu  treffen.  Mißt  man  an  der  unermeßlichen  Totalität  jenes
Zusammenhanges,  dann  ist  es  nur  weniges,  was  die  Forschung  tatsächlich ­
  feststellen  kann.  Wozu  sie  überhaupt  etwas  festzustellen
trachtet,  das  habe  ich  früher  schon  als  das  Erkenntnisziel  der  Historie
formuliert:  Sie  will  uns  den  Zusammenhang  des  historischen  Geschehens ­
  in  Einheit  erfaßlich  machen.  Das  Generalprinzip  jener  notgedrungenen ­
  Auswahl  beruht  nun  darin,  daß  die  Forschung  jenes
wenige  festzustellen  sucht,  dessen  geistiger  Besitz  ihr
bei  der  Verfolgung  jenes  Erkenntniszieles  den  ungeheuren ­
  Rest  zur  Not  entbehrlich  macht.  Wie  sich  dieses  allgemeinste ­
  Prinzip  spezialisieren  und  im  einzelnen  durchführen  läßt,  wie
sich  die  P'orschung  mit  der  Zwangslage  abfindet,  in  die  sie  durch  den
Zwang  zur  Auswahl  von  der  einen,  durch  die  Kargheit  der  „Quellen
von  der  anderen  Seite  her  versetzt  ist,  das  sind  Angelegenheiten  sekundärer ­
  Bedeutung,  interne  Sorgen  der  Forschung.
Nach  diesem  ebenso  klaren  wie  unausweichlichen  Verhalten  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.