Full text: Wirtschaft als Leben

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,Die Grenzen der Geschichte“, 
mag den oder jenen Ausgang nehmen, ihrem praktischen Erfolg nach 
läßt sie uns die Dinge nach ihrer Zugehörigkeit zu einer Gattung er 
fassen. Vorerst in dieser Weise finden wir uns gegenüber der Mannig 
faltigkeit dessen zurecht, was uns umgibt (Rickert). Der Gedanke, 
ein Ding unter die übrigen zeit ha ft einzuordnen, es als Gewordenes 
erfassen zu wollen, kann uns vorher gar nicht kommen, ehe wir es 
nicht gattungsmäßig erfaßt hätten. Im einzelnen Falle kann sich 
dies verschleiern; die Frage nach der Entstehung des Dinges kann 
die Frage umschreiben, was es ist. Für die Gesamtheit der 
räumlichen Dinge gilt die Priorität der klassifikatorischen 
Ordnung unbedingt; und dies ist im Bereich der Erfahrungs 
wissenschaft nicht anders als im Bereiche des vorwissenschaftlichen 
Denkens. 
Was lenkt denn zuerst wohl den Blick in eine fernere Ver 
gangenheit? Das Interesse an dem, was die Vorfahren getan und 
erlitten haben; an diesem Interesse reift der Begriff einer Vergangenheit 
heran, die über eigene Erinnerung hinausreicht. An einen Wandel der 
Umwelt, in jenem weitgehenden Sinne eines Werdens aller Dinge, an 
eine solche chronische Verschiebung der Bedingungen, 
unter denen gehandelt wird, denkt man wohl erst viel später. 
So kennen auch die „Schöpfungsgeschichten“ wohl schon Arten 
der Dinge, aber ihr metaphysischer Inhalt antwortet so wenig einer 
metahistorischen Neugier, daß sie eher als der Ausdruck des 
Glaubens an die U n Wandelbarkeit aller Dinge erscheinen. Dieser 
Glaube spukt auch noch in der Historie. Nichts fällt dieser so schwer, 
wie mit dem Wandel der Bedingungen geistig Schritt zu halten, aus 
denen sich das als „res gestae“ erschlossene Geschehen erklären ließe. 
Für den Teil dieser Bedingungen ist ja der Historiker meist ähnlich 
zu Interpolationen genötigt, wie der Metahistoriker in bezug auf das 
Geschehen. Da hat es stets die Präsumtion für sich, diese Bedingungen 
einfach aus der erlebten Gegenwart da und dorthin zu übertragen; 
etwa so, wie die mittelalterlichen Maler auch den mythologischen 
Gestalten Ausdruck und Tracht ihrer eigenen Zeit gaben. Der „Ent 
wicklungsgedanke“ ist in jeder Abart ein Spätling unseres Geistes. 
Das Streben, das sich in der metahistorischen Erkenntnis auslebt, 
findet also jedenfalls schon die Klassifikation der Dinge vor, ihre 
Gattungen. Sieht man mit diesen gleichfalls eine „Auswahl“ ge 
troffen, unter der Überfülle dessen, was wir geistig zu beherrschen 
trachten, dann ist dies ein Prinzip der Auswahl, das offenbar 
noch dem Seienden, nicht dem Geschehen gegenüber, gewählt 
erscheint, und jedenfalls schon längst durchgeführt ist,
	        
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