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,Die Grenzen der Geschichte“,
weichliches. Aber der Vergangenheit gegenüber wäre das meta-
historische System selbst dann noch genau dasselbe, was es in seiner
unvollkommenen Gestalt schon heute ist: ein uneinlöslicher Wechsel
auf Erkenntnis!
XXI.
Der Umstand, daß sich in jenem Sinn ein Höhepunkt der meta-
historischen Erkenntnis ausmalen läßt, bekundet nebenbei den rein
naturwissenschaftlichen Charakter aller Metahi storie;
und so wird auch dahinzu der Abstand gegenüber der Historie klarer.
Für die historische Forschung schließt sich jede Obergrenze im
Wesen aus. Es hieße eine Unmöglichkeit verlangen, sollte die histo
rische Erkenntnis einfach alles an erlebtem Geschehen aufschließen;
selbst wenn es keine Schranken der Forschung gäbe und die „Quellen“
nicht stetig kärglicher fließen würden, je tiefer sich die Forschung mit
der Vergangenheit einläßt. Hier muß also notwendig ein Prinzip der
Auswahl gehandhabt werden. Deshalb aber ist kein Zustand der histo
rischen Forschungsleistung denkbar, der sich nicht doch noch über
bieten ließe — sei es im Sinne eines besseren Prinzipes der Auswahl,
sei es in der Durchführung des augenblicklich besten Prinzipes. Denn
in der Tat, weil der Stoff der historischen Erkenntnis gleichsam vor
unseren Augen weiter wuchert, kann sich ein bisher festgehaltenes
Prinzip der Auswahl überleben. Bei dem vielverschlungenen All
zusammenhang, der für das historische Geschehen gilt, zieht eben alles,,
was geschieht, zugleich unsere Auffassung vom vorher Geschehenen in
Mitleidenschaft.
Freilich, auch die Verhältnisse der räumlichen Dinge ver
schieben sich stetig mit der weitererlebten Zeit. Aber das sind Ände
rungen, die sich gleichsam registrieren ließen, angenommen, daß jener
Höchstzustand der metahistorischen Erkenntnis erklommen wäre. Diese
Erkenntnis handhabt eben kein Prinzip der Auswahl. Wohl verbindet
sich mit ihrem generischen Charakter von Haus aus und starr eine Ein
schränkung. Im Rahmen der letzteren aber, der gegenüber sie ohn
mächtig ist, strebt die Metahistorie Vollständigkeit an. So ver
mag sie auch im quantitativen Sinne, wie dort qualitativ, einen
Höchststand zu erreichen, den sie dann nur mehr zu behaupten
hätte, ohne ihn jemals mehr überschreiten zu können. Dem Ganzen
der Gattungen und ihres Um und Auf ist eben unser Denken aus dem
einfachen Grunde gewachsen, weil das Denken der Gattungen aus-