Anhang, XXI.
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drücklich der Weg ist, der „extensiven und intensiven Mannigfaltig
keit“, die um uns ist, Herr zu werden.
Es ist selber nur ein Ausdruck des naturwissenschaftlichen
Charakters der Metahistorie, wenn sie nicht als Aufschluß über die Ver
gangenheit, sondern nur als zeithafte Ordnung der räumlichen Dinge
wissenschaftlich ernst zu nehmen ist. Und durch ihre generische Natur
akzentuiert sich dies noch mehr.
Bei der Würdigung des naturwissenschaftlichen Charakters der Meta
historie dürfen uns nicht die zahllosen Beziehungen beirren, die von meta
historischen Disziplinen aus, namentlich der historischen Geologie, zur
Geographie sich spinnen. Alle Metahistorie ist ein Ausbau der Natur
wissenschaft. Sie kann aus dem Programm der Naturwissenschaft, „die
Natur auf die einfachste Weise zu beschreiben“ (Kirchhoff) verstanden
werden; als eine beste Systematik der räumlichen Dinge und somit als
ein Weg der kürzesten Beschreibung. Die Geographie dagegen ist
ein Trabant der Historie, soweit sie nicht zugleich eine tech
nische Wissenschaft ist, die, mit dem Ausgang von der Erfahrung, unser
Handeln direkt über die besten Wege zum Zweck belehrt; gleichviel, ob
es die Verwaltung, die Politik oder die Technik im engeren Sinne betrifft
Sehen wir davon ab, so stellt die Geographie, als „physikalische“, die
Naturwissenschaft in den Dienst der historischen Erkenntnis, zum Behufe
einer geläuterten Auffassung jener Bedingungen, aus denen wir das er
schlossene Geschehen zu erklären suchen. Dadurch wird die Geo
graphie zu einer Wissenschaft des Individuellen.
So individualisiert auch das Metahistorische, über seine Nutz
anwendung hinaus. Die letztere selber ist vom Forschungsbetrieb
der Metahistorie nicht zu trennen; es findet noch Erwähnung, wie sich
das metahistorische System gerade im Wege seiner Nutzanwendung zu
läutern weiß. Aber während es der Metahistorie eigen ist, vom Kon
kreten ihrer Nutzanwendung wieder zum Abstrakten zurückzukehren,
während ihr also das Konkrete immer nur zur Reihenbildung
„gleicher Fälle“ frommt, hält die Geographie an dem
Konkreten fest und gestaltet es zum Individuellen aus.
Für die Geographie ist es von fundamentaler Bedeutung, daß sich
Gesamtheiten der räumlichen Dinge zu realen Einheiten zusammen
fügen, zu „Ländern“, „Kontinenten“, „Verbreitungssphären“. Für die
Metahistorie, kraft ihres naturwissenschaftlichen Berufes, ist dies ein
zufälliger Umstand: etwas, das rein der Tatsache nach ins Gewicht
fällt. Das Individuelle jener Einheiten kommt für die Metahistorie
prinzipiell nicht in Betracht. Von ihrem Standpunkte aus kommt selbst
der Erdball nicht als Individuum, sondern bloß nach seiner Zugehörig