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,Die Grenzen der Geschichte“,
beider zur Vergangenheit, für die sonderbare Zwitternatur der meta
historischen Ergebnisse, sofern sie als Aufschlüsse über die Ver
gangenheit genommen werden, kurz für alles, was sich bisher gleichsam
rein empirisch feststellen ließ — im Wege einer schlichten Er
kenntniskritik, die sich an die offenliegenden Beziehungen der Er
kenntnisarten untereinander gehalten hat, und an die nicht minder
naheliegenden Beziehungen zwischen dem Berufe und der Artung der
einzelnen Erkenntnisart.
Es will mir nun scheinen, daß sich diese Formel tatsächlich finden
läßt. Zum mindesten der Weg, der zu ihr führen müßte, steht außer
Zweifel. Es käme bloß darauf an, dem ganzen Sachverhalt überallhin
bis auf den Grund zu dringen, auch allen tiefer greifenden Fragen
Antwort zu stehen, die sich bisher umgehen ließen. Der Erkenntnis
theorie im eigentlichen Sinne bliebe das letzte Wort Vorbehalten.
Nebenbei wäre dann auch für die Kritik der landläufigen „Lösung“
das äußerste geschehen. Denn für den erkenntniskritisch geführten
Nachweis, daß die metahistorischen Ergebnisse nicht von der Be
deutung sind, unser Problem zu lösen, hätte es den Wert einer
schlagenden Gegenprobe, sobald sich erkenntnistheoretisch
nach weisen läßt, daß sie jene Bedeutung gar nicht haben
können.
Allein, so viel auch dieser Weg der eigentlich erkenntnis
theoretischen Untersuchung für unsere Sache verspricht, es ist aus
geschlossen, daß man in dem engen Rahmen dieses Anhanges den
Ansprüchen einer solchen Untersuchung gerecht werden könnte. Die
bare Unmöglichkeit in dieser Hinsicht liegt so klar zutage, daß es auf
andere Bedenken, persönlicher oder sachlicher Natur, gar nicht mehr
ankommt. Gänzlich übergehen darf ich diese Dinge trotzdem nicht;
wenn aber meine Darlegung bisher schon eine rein kursorische war,
nur ein dürres Gerippe von Schlußfolgen und einige Randbemerkungen
an Stelle einer sachwürdigen Erledigung geboten hat, so muß ich mich
für den Rest gar nur auf ein paar Andeutungen beschränken, die nicht
anders als problematisch sein können.
XXVI.
Je mehr sich die moderne Erkenntnistheorie daran erinnert hat,
daß es bei allem Glanz der Naturwissenschaft doch auch so etwas wie
eine historische Forschung gibt, desto mehr arbeitet sich der
Widerspruch gegen die rationalistische Überlieferung