Full text : Wirtschaft als Leben

Einleitung.

IS

nichts  weniger  als  um  die  Begründung  einer  neuen,  oder  den  Ausbau
einer  alten  „Werttheorie“.  Denn  nicht  die  Erkenntnis,  die  sonst  aus
der  „Wertlehre“  heraus  erwartet  wird,  steht  jetzt  als  Ziel,  sondern
die  Erkenntnis  über  diese  sogenannte  Wertlehre.
Hinter  jener  Grenze  betrachten  wir  also  die  „Wertlehre“  um  ihrer
selbst  willen;  als  ein  Gebiet  nationalökonomischer  Forschung,  von  dessen
Leistungen  es  für  einen  guten  Teil  abhängig  ist,  ob  unsere  Wissenschaft ­
  ihren  Erkenntniszweck  erfüllt.  Hier  tritt  der  Fall  ein,  daß  die
Forschung  gezwungen  wird,  bei  sich  selber  Einkehr  zu  halten.  Es  gilt,
dem  Forschen,  wie  es  auf  diesem  Gebiete  geübt  wird,  nachzuforschen,
das  Denken,  das  hier  an  der  Arbeit  ist,  für  sich  zu  überdenken  und
darin  bis  zu  gewissen  Ruhepunkten  auszudenken.
Soll  es  daher  in  eins  gefaßt  werden,  was  jenseits  der  Grenze  liegt,
die  mit  der  Stellung  jener  Frage  schon  für  überschritten  gilt,  so  läßt
sich  hierfür  das  Streben  namhaft  machen,  das  auch  in  der  letzteren
Frage  rege  ist:  Das  Streben  nach  der  Selbstbesinnung  des
Forschens  auf  dem  Gebiete  der  sogenannten  Wertlehre  1
Mit  der  Erfüllung  dieses  Strebens  wird  es  sich  dann  auch  zeigen,
ob  jenes  Forschen,  wenn  erst  sein  wahrer  Inhalt  erkannt  ist,  auch
künftighin  in  der  Form  von  einander  gegensätzlich  ausschließenden
„Werttheorien“  erscheinen  muß.  Dahinaus  liegen  sogar  die  letzten  und
höchsten  Ziele  der  Selbstbesinnung.  Es  genügt  nicht,  ein  trockenes  Ja
oder  ein  dürres  Nein  auf  die  Frage  zu  erhalten,  ob  jene  Forschung  auf
ewig  dazu  verdammt  sei,  von  „Werttheorie“  zu  „Werttheorie“  in  unfruchtbaren ­
  Widersprüchen  sich  hinzuschleppen.  Der  Wissenschaft  muß
es  vielmehr  darum  zu  tun  sein,  für  die  Forschung,  die  sich  innerhalb
der  sogenannten  Wertlehre  betätigt,  das  zu  finden,  was  Kant  den
„königlichen  Weg“  nennt  Der  Weg,  auf  dem  diese  Forschung
dann  ohne  Rücklauf  und  Abschweifung  stetig  vorwärts  schreiten  konnte,
mit  keinem  anderen  Wechsel  und  keinen  anderen  Gegensätzen  in  ihren
Ergebnissen  als  jenen,  die  aller  Erkenntnis  Bedungenschaft  durch  Zeit
und  Ort  entspringen.
Nach  diesem  fernen,  aber  klar  erschauten  Ziele  hin  einen  ersten
Schritt  zu  tun,  der  an  sich  geringfügig  scheinen  mag,  dem  jedoch
höhere  Bedeutung  von  der  Nachfolge  her  überkommt,  die  erst  durch
ihn  ermöglicht  wird,  das  macht  den  Gehalt  der  vorliegenden  Untersuchung ­
  aus 1 ).
*)  Für  die  Auferweckung  jenes  Strebens,  nach  der  Selbstbesinnung  des  Forschens
auf  dem  Gebiete  der  sogenannten  Wertlehre,  dafür  können  übrigens  leicht  auch  andere
Anlässe  tätig  sein,  die  freilich  von  einer  so  internen  Natur  sind,  daß  sie  sic  e  g
            
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