452
,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“,
Einzelnen. Lag uns früher ein Konkretum selber vor, so handelt es
sich jetzt bloß um den Bezug auf ein Konkretum; und es ist klar,
daß diese gedankliche Bestimmtheit erst perfekt ist, sofern unser Denken
auf ein einziges Konkretum Bezug zu nehmen weiß. Als Konkretum
ist schlechthin das Einzelne erfaßt; das gedanklich Besondere aber will
ausdrücklich als das Einzige erfaßt sein: so wird man das gedanklich
bestimmte Einzelne als das Singuläre bezeichnen dürfen.
Während das Konkretum sozusagen die Form der Wirklichkeit
selber ist, tritt uns mit dem Singulären schon etwas entgegen, was
irgendwie mit unserem Denken über die Wirklichkeit zu tun hat. Und
zwar kommt dabei jenes Denken in Frage, dem die Richtung auf
das Besondere charakteristisch ist; das ist aber das idiographische
Denken.
Es erhellt hier zugleich, wie diese Charakteristik des idiographischen
Denkens richtig zu verstehen ist. Das idiographische Denken kann sich
unmöglich das anschaulich Besondere, das Konkrete, zum Ziel setzen;
aus dem einfachen Grunde, weil nicht dasjenige ein Ziel des Denkens
sein kann, von dem alles erfahrungswissenschaftliche Denken notwendig
ausgehen muß. In der Tat muß das idiographische Denken aufs
Haar so vom Konkreten, vom anschaulich Besonderen ausgehen, wie
das nomothetische. Während aber das Letztere hierauf zum All
gemeinen hinstrebt, bewegt sich das idiographische Denken dem g e -
danklich Besonderen, dem Singulären zu.
Vom nomothetischen Denken gilt es unwidersprochen, daß sein
Streben nach dem Allgemeinen sich in Begriffen verwirklicht; das
sind Gedankengebilde, in welche dieses Denken gleichsam ausläuft,
zur Ruhe gelangt. Im speziellen sind die „Naturgesetze“ nomothetische
Denkformen dieser Art, in höchster Vollendung. Machen wir uns nun
klar, daß auch dort, wo sich das idiographische Streben nach dem Be
sonderen verwirklicht, wo also das Singuläre erfaßt erscheint, jedes
mal ein Begriff absonderlicher Art vorliegt, als die spezifisch
idiographische Denkform.
Die Gedanken der beiden Personen, die sich an das Wort „X-Berg“
knüpfen, mögen recht verschieden sein. Der eine „weiß“ vielleicht
gerade genug, um hinzufinden; der andere „weiß“ nicht allein viel
mehr, er hegt in seiner Erinnerung auch eine anschauliche Vorstellung
von diesem Berge, lebhaft und farbenfrisch. Um diese psychologischen
Unterschiede kümmern wir uns nicht. Wir halten uns ausschließlich
an die logischen Verhältnisse des Tatbestandes, der damit vorliegt,
daß sich ein Einzelnes auch im Denken als unverwechsel
bar erwiesen hat. Wir fassen den hier erreichten Erfolg als