Full text: Wirtschaft als Leben

Umrisse einer Theorie des Individuellen, I, A. 
459 
thetischen zu einer idiographischen Denkform, ausgeblieben. 
Urteile über die Artung tragen also nichts Wesentliches zur Bildung 
des Sonderbegriffes bei, zählen daher nicht zu seinen logischen 
Elementen. Wir werden noch sehen, daß sie als Füllsel dienen. — 
Was den Urteilen über die Artung versagt bleibt, gelingt jenen 
über die Lage. Es besagt ein Urteil über die Lage, bestimme ich 
unseren Berg als den „zwei Meilen nordöstlich von Dingskirchen 
gelegenen“. Eigentlich sind hier schon zwei Lagebestimmungen 
zusammengezogen, von denen jede im äußeren einer arthaften 
Bestimmung gleicht; denn man könnte von einer Unterart der „zwei 
Meilen von Dingskirchen entfernten Berge“ und von einer Unterart 
der „nordöstlich von Dingskirchen gelegenen Berge“ sprechen. Urteile 
über die Artung sind es doch keine. Es ist kein Zufall, daß ihre 
Verschmelzung bereits genügt, um unseren Berg außer Zweifel zu 
stellen — sofern uns vorher schon „Dingskirchen“ etwas Singuläres 
istl Denn diese Urteile sind ihrem Wesen nach auf diesen 
Erfolg angelegt, sie sind gleichsam idiographischen Metiers. Die 
Urteile über die Lage machen das Einzelne unverwechselbar, indem 
sie das eindeutige Verhältnis desselben zu etwas Un 
verwechselbarem feststellen. Nun ist „Dingskirchen , auch 
wenn wir es als wirklich denken, nur etwas relativ Unverwechsel 
bares, sofern man etwa von den „Dingskirchnern“ absieht. Es darf 
wieder nur auf Grund von Urteilen über die Lage als bestimmt gelten. 
Diese aber sagen dann bloß über das eindeutige Verhältnis von „Dings 
kirchen“ zu etwas aus, für das von neuem das Problem seiner Un- 
verwechselbarkeit erstünde. So werden wir der Frage zugeführt, ob 
man aus dieser Relativität hinausfindet. Gibt es einen sicheren Ansatz 
punkt für diese Urteile über die Lage, einen Hort aller Bestimmtheit? 
Zwei Dinge sind in der Tat absolut unverwechselbar, 
besagen das an sich Singuläre: Unser Ich und die Allheit. 
Sein eigen Ich verwechselt niemand, der nicht eben deshalb ein Narr 
wird; und womit sollte man die Allheit verwechseln? Von der Un- 
verwechselbarkeit des Ichs macht wieder das Leben den reichlichsten 
Gebrauch. Vom körperlichen Substrat des Ichs aus entfalten wir das 
räumliche Zusammenhängen der Dinge um uns. Wir bestimmen sie 
danach, ob sie „vor uns“, „hinter uns“, „rechts von uns usw. gelegen 
sind — durchaus Variationen des eindeutigen Verhältnisses zu uns; 
und so werden uns, unter Mithilfe aller sonstigen Bestimmtheit, die 
Dinge zu etwas Unverwechselbarem. Wir wenden dies besonders auf 
unseren Standort, unseren gewöhnlichen Wohnort an, in sinnvoller 
Übertragung, und schaffen uns dadurch ein festes Gerippe gedanklicher
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.