Full text : Wirtschaft als Leben

Umrisse  einer  Theorie  des  Individuellen,  I,  A.

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thetischen  zu  einer  idiographischen  Denkform,  ausgeblieben.
Urteile  über  die  Artung  tragen  also  nichts  Wesentliches  zur  Bildung
des  Sonderbegriffes  bei,  zählen  daher  nicht  zu  seinen  logischen
Elementen.  Wir  werden  noch  sehen,  daß  sie  als  Füllsel  dienen.  —
Was  den  Urteilen  über  die  Artung  versagt  bleibt,  gelingt  jenen
über  die  Lage.  Es  besagt  ein  Urteil  über  die  Lage,  bestimme  ich
unseren  Berg  als  den  „zwei  Meilen  nordöstlich  von  Dingskirchen
gelegenen“.  Eigentlich  sind  hier  schon  zwei  Lagebestimmungen
zusammengezogen,  von  denen  jede  im  äußeren  einer  arthaften
Bestimmung  gleicht;  denn  man  könnte  von  einer  Unterart  der  „zwei
Meilen  von  Dingskirchen  entfernten  Berge“  und  von  einer  Unterart
der  „nordöstlich  von  Dingskirchen  gelegenen  Berge“  sprechen.  Urteile
über  die  Artung  sind  es  doch  keine.  Es  ist  kein  Zufall,  daß  ihre
Verschmelzung  bereits  genügt,  um  unseren  Berg  außer  Zweifel  zu
stellen  —  sofern  uns  vorher  schon  „Dingskirchen“  etwas  Singuläres
istl  Denn  diese  Urteile  sind  ihrem  Wesen  nach  auf  diesen
Erfolg  angelegt,  sie  sind  gleichsam  idiographischen  Metiers.  Die
Urteile  über  die  Lage  machen  das  Einzelne  unverwechselbar,  indem
sie  das  eindeutige  Verhältnis  desselben  zu  etwas  Unverwechselbarem ­
  feststellen.  Nun  ist  „Dingskirchen  ,  auch
wenn  wir  es  als  wirklich  denken,  nur  etwas  relativ  Unverwechselbares, ­
  sofern  man  etwa  von  den  „Dingskirchnern“  absieht.  Es  darf
wieder  nur  auf  Grund  von  Urteilen  über  die  Lage  als  bestimmt  gelten.
Diese  aber  sagen  dann  bloß  über  das  eindeutige  Verhältnis  von  „Dingskirchen“ ­
  zu  etwas  aus,  für  das  von  neuem  das  Problem  seiner  Unverwechselbarkeit
  erstünde.  So  werden  wir  der  Frage  zugeführt,  ob
man  aus  dieser  Relativität  hinausfindet.  Gibt  es  einen  sicheren  Ansatzpunkt ­
  für  diese  Urteile  über  die  Lage,  einen  Hort  aller  Bestimmtheit?
Zwei  Dinge  sind  in  der  Tat  absolut  unverwechselbar,
besagen  das  an  sich  Singuläre:  Unser  Ich  und  die  Allheit.
Sein  eigen  Ich  verwechselt  niemand,  der  nicht  eben  deshalb  ein  Narr
wird;  und  womit  sollte  man  die  Allheit  verwechseln?  Von  der  Unverwechselbarkeit
  des  Ichs  macht  wieder  das  Leben  den  reichlichsten
Gebrauch.  Vom  körperlichen  Substrat  des  Ichs  aus  entfalten  wir  das
räumliche  Zusammenhängen  der  Dinge  um  uns.  Wir  bestimmen  sie
danach,  ob  sie  „vor  uns“,  „hinter  uns“,  „rechts  von  uns  usw.  gelegen
sind  —  durchaus  Variationen  des  eindeutigen  Verhältnisses  zu  uns;
und  so  werden  uns,  unter  Mithilfe  aller  sonstigen  Bestimmtheit,  die
Dinge  zu  etwas  Unverwechselbarem.  Wir  wenden  dies  besonders  auf
unseren  Standort,  unseren  gewöhnlichen  Wohnort  an,  in  sinnvoller
Übertragung,  und  schaffen  uns  dadurch  ein  festes  Gerippe  gedanklicher
            
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