Full text : Wirtschaft als Leben

I.

Wenn  es  irgendwo  in  einem  wissenschaftlichen  Sondergebiete  so
kraus  und  wirr  aussieht  und  so  bunt  hergeht,  wie  eben  in  der  sogenannten ­
  Wertlehre;  wenn  sich  die  Theoretiker  so  gar  nicht  über  das
verständigen  und  einigen  können,  über  das  sie  unaufhörlich  reden:
dann  empfiehlt  es  sich  doch,  auch  einmal  nach  dem  auszusehen,  über
das  sie  nicht  reden,  trotzdem  es  von  Bezug  und  Belang  für  dieses
Gebiet  ist.  Und  zwar  deshalb  nicht  reden,  weil  es  ihnen  allen  selbstverständlich ­
  dünkt,  weil  man  einen  Gemeinplatz  darin  sähe,  es  auszusprechen. ­

Da  ist  der  Hebel  einzusetzen.  Man  könnte  in  der  Tat  sagen:  Es
fängt  die  Selbstbesinnung  dort  an,  wo  die  Selbstverständlichkeiten
aufhören.  Diese  letzteren,  das  sind  ruhende  Gedanken,  auf  denen
sich  das  eigentliche,  bewegliche  Denken  erst  aufbaut;  Gedanken  also,
die  unberührt  von  dem  eigentlichen,  dem  beweglichen  Denken  bleiben,
das  letztere  aber,  als  dessen  Grundlagen,  in  hohem  Grade  beeinflussen.
Wenn  nun  das  Denken,  das  innerhalb  der  sogenannten  Wertlehre  das
herkömmliche  ist,  auf  keinen  grünen  Zweig  kommen  will,  kann
die  Schuld  daran  nicht  bei  jenen  Grundlagen  dieses  herkömmlichen
Denkens  liegen  ?  *)
Diesem  Fingerzeige  wird  die  vorliegende  Untersuchung  folgen.
Sie  wird  sich  in  erster  Linie  mit  den  Gedanken  beschäftigen,  die  auf
das  fragliche  Gebiet  Bezug  nehmen  und  dabei  dem  herkömmlichen
Denken  in  Selbstverständlichkeit  aneignen.  Das  sind  jene  Gedanken,
deren  Inhalt  das  herkömmliche  Denken  unentäußerlich  in  sich  schließt,

l )  Das  Denken,  das  mit  dem  Forschen  im  Bereiche  der  sogenannten  Wertlehre  rege
ist,  wird  viele  Gedanken  unter  sich  ruhen,  viele  seiner  Voraussetzungen  unerörtert  lassen,
die  nicht  so  sehr  seine,  als  die  Grundlage  jeglichen  Denkens  vorstellen.  Mit  diesen
Dingen  hat  es  die  folgende  Untersuchung  auch  nicht  im  entferntesten  zu  tun.  Sie  will
nicht  etwa  die  Grundlagen  des  Denkens  aufdecken;  das  wären  Angelegenheiten  der
Wissenschaft,  Fragen  der  Wissenschaftslehre.  Hier  fallen  nur  die  Grundlagen  in  Betracht,
auf  denen  sich  ein  bestimmtes  Denken  als  solches  aufbaut,  das  mit  dem  erwähnten
Forschen  rege  ist.  Darüber  aber  läßt  sich  durchaus  im  Rahmen  unserer  Wissenschaft
verhandeln,  als  über  eine  häusliche  Angelegenheit  der  letzteren.
            
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