Full text: Wirtschaft als Leben

Abschnitt I. 
21 
Wer im Geiste der herkömmlichen Anschauung denkt, wer also jene 
vier Gedanken als selbstverständliche ansieht, mit ihnen denkt, ohne 
doch über sie zu denken, dem muß gerade deshalb die Einsicht not 
wendig verschlossen bleiben, daß die Gültigkeit dieser seiner Denkungs- 
weise von einer Voraussetzung abhängig ist. Indem er so 
denkt, nimmt er also unbewußt diese Voraussetzung als vorhanden, 
ihren Inhalt daher als wahr an. 
Nachdem einmal diese vier Gedanken zur Aussprache gekommen 
sind, steht nun auch der Weg zu jener Voraussetzung offen. Es bedarf 
nur einer einfachen logischen Verknüpfung dieser vier Gedanken unter 
sich. Die Gedankenbewegung, die in dem Sinne an vier Punkten vor 
zeitig innehält, daß jene Gedanken schon für sich als selbstverständlich 
angesehen werden, wird dadurch über diese Punkte hinausgeführt. Wir 
erfahren dann, was in dieser Hinsicht das Denken, wie es im Geiste 
der herkömmlichen Anschauung geübt wird, in letzter Linie in sich 
es etwas tun würde, was ihm durch jene 
allerdings wesentlich verwehrt bleibt: Sich 
folgerichtig durchdenkenl 
Diese Unterlassungssünde des herkömmlichen Denkens, die von 
ihm nicht zufällig begangen wird, die ihm aus dem erwähnten Grunde 
im Wesen liegt, suchen wir nun gutzumachen. Wir verknüpfen also 
jene vier Gedanken nach ihren logischen Voraussetzungen. 
Um ein Gebiet wissenschaftlichen Forschens als ein für sich be 
stimmtes anzusehen, muß etwas da sein, was dieses Gebiet als solches 
bestimmt. Gilt aber diese Bestimmtheit für selbstverständlich, dann 
setzt dies voraus, daß jenes Bestimmende, das notwendig vorhanden 
sein muß, es auch ohne jedes Hinzutun seitens der Wissenschaft 
sei. Denn jegliches Hinzutun für dieses Bestimmende würde einer 
Begründung der Bestimmtheit jenes Gebietes gleichkommen. Das aber 
stünde offenbar in Widerspruch damit, wenn die Bestimmtheit jenes 
Gebietes als etwas Selbstverständliches angesehen wird. 
Ist nun im besonderen dieses Bestimmende als der Gegenstand 
jenes Gebietes gedacht, dann dürfte es kein Gegenstand sein, den sich 
die Wissenschaft selber setzt. Denn auf diese Setzung hin ließe 
sich wieder die Bestimmtheit jenes Gebietes, im Widerspruche zu der 
Letzteren Selbstverständlichkeit, begründend zurückführen. Es muß also 
ein Gegenstand sein, der irgendwie der Wissenschaft schlechthin vor 
gesetzt erscheint. 
Soll aber ein Gebiet dadurch bestimmt sein, daß es von dem Be 
stimmenden seine Einheit herleitet, dann muß vorher schon dieses Be 
stimmende, als Bestimmendes, Eines vorstellen. Wenn es im be 
5>cnneßen müßte, sobald 
Selbstverständlichkeiten
	        
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