Der Stoff der Sozialwissenschaft, Vorbemerkungen.
519
erschienenen Schrift: Spranger, „Die Grundlagen der Geschichts
wissenschaft“. Die Kontrastierung einer „Psychologie der komplexen
Lebensvorgänge“ mit einer „Psychologie der Elemente“ geht an den
Tatbestand so nahe heran, als es die Verkennung des grundsätz
lichen Unterschiedes in der Denkweise eben noch zuläßt; diese Ver
kennung macht aber den Psychologismus ausl
Ob bereits für die vorbildliche Trennung zwischen einer „be
schreibenden“ und einer „erklärenden“ Psychologie etwas Gleiches gilt
oder nicht, jedenfalls ging der große Wurf, den Dilthey mit seiner
„Einleitung in die Geisteswissenschaften“ getan hat, für den Teil des
fraglichen Problems über das Ziel hinaus: bei Dilthey übersteigert
sich der Unterschied in der Objektivation zu einem — buchstäblich
„ontologischen“ Riß quer durch die Wirklichkeit selber. Hier muß
man dem Einwande Rickerts beipflichten, daß die verschiedenen Denk
weisen stets wieder auf die ganze Wirklichkeit anwendbar bleiben.
Nur darf man dabei nicht ausschließlich an den Gegensatz „nomo
thetisch—idiographisch“, oder mit Rickert zu sprechen, „naturwissen
schaftlich—historisch“ denken.
Die „Klarheit“ der Gedanken, mit denen sich Stammler des
fraglichen Zwiespaltes im Erkennen zu bemächtigen sucht, ist sattsam
gerühmt worden. Unvergleichlich tiefer läßt uns Münsterberg nun
blicken. Wie er zwischen „subjektivierenden“ und „objektivierenden“
Wissenschaften sondert und diese Sonderung bis in die letzten
Konsequenzen durchführt, das darf wohl als bekannt vorausgesetzt
werden, insbesondere nach der klaren Wiedergabe durch Rickert,
Medicus, Ritschl, Max Adler u. a. Für die Theorie unserer Wissen
schaften als solcher ist Münsterbergs Buch — wenn man in diesem
Zusammenhang einerseits von Dilthey, andererseits von Karl Menger
absieht — ganz ebenso in bezug auf Erkenntnistheorie ein
Markstein, wie dies in bezug auf Logik für die Arbeiten von Windel
band und Rickert gilt. Es ist richtig, der unausweichlichen Frage, die
Max Weber im Geiste Husserls aufwirft, in welcher Art nämlich
auch die Geschichtswissenschaft objektivierend denkt, dieser Präge
hat Münsterberg die Antwort vorenthalten. Auch von den Einzel
ausführungen über den Vorgang unserer Wissenschaften dürften nicht
viele unwidersprochen bleiben. Sein Verständnis für das eigene
Recht unserer Wissenschaften aber, das müssen wir gerade
diesem Philosophen, der zugleich um die Naturwissenschaft so verdient
ist, hoch anrechnen 1 Denn von überall sonst, wo auch nur ein bißchen
Zusammenhang mit der Naturwissenschaft die Brust schwellen macht,