Full text : Wirtschaft als Leben

Der  Stoff  der  Sozialwissenschaft,  Vorbemerkungen.

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erschienenen  Schrift:  Spranger,  „Die  Grundlagen  der  Geschichtswissenschaft“. ­
  Die  Kontrastierung  einer  „Psychologie  der  komplexen
Lebensvorgänge“  mit  einer  „Psychologie  der  Elemente“  geht  an  den
Tatbestand  so  nahe  heran,  als  es  die  Verkennung  des  grundsätzlichen ­
  Unterschiedes  in  der  Denkweise  eben  noch  zuläßt;  diese  Verkennung ­
  macht  aber  den  Psychologismus  ausl
Ob  bereits  für  die  vorbildliche  Trennung  zwischen  einer  „beschreibenden“ ­
  und  einer  „erklärenden“  Psychologie  etwas  Gleiches  gilt
oder  nicht,  jedenfalls  ging  der  große  Wurf,  den  Dilthey  mit  seiner
„Einleitung  in  die  Geisteswissenschaften“  getan  hat,  für  den  Teil  des
fraglichen  Problems  über  das  Ziel  hinaus:  bei  Dilthey  übersteigert
sich  der  Unterschied  in  der  Objektivation  zu  einem  —  buchstäblich
„ontologischen“  Riß  quer  durch  die  Wirklichkeit  selber.  Hier  muß
man  dem  Einwande  Rickerts  beipflichten,  daß  die  verschiedenen  Denkweisen ­
  stets  wieder  auf  die  ganze  Wirklichkeit  anwendbar  bleiben.
Nur  darf  man  dabei  nicht  ausschließlich  an  den  Gegensatz  „nomothetisch—idiographisch“, ­
  oder  mit  Rickert  zu  sprechen,  „naturwissenschaftlich—historisch“ ­
  denken.
Die  „Klarheit“  der  Gedanken,  mit  denen  sich  Stammler  des
fraglichen  Zwiespaltes  im  Erkennen  zu  bemächtigen  sucht,  ist  sattsam
gerühmt  worden.  Unvergleichlich  tiefer  läßt  uns  Münsterberg  nun
blicken.  Wie  er  zwischen  „subjektivierenden“  und  „objektivierenden“
Wissenschaften  sondert  und  diese  Sonderung  bis  in  die  letzten
Konsequenzen  durchführt,  das  darf  wohl  als  bekannt  vorausgesetzt
werden,  insbesondere  nach  der  klaren  Wiedergabe  durch  Rickert,
Medicus,  Ritschl,  Max  Adler  u.  a.  Für  die  Theorie  unserer  Wissenschaften ­
  als  solcher  ist  Münsterbergs  Buch  —  wenn  man  in  diesem
Zusammenhang  einerseits  von  Dilthey,  andererseits  von  Karl  Menger
absieht  —  ganz  ebenso  in  bezug  auf  Erkenntnistheorie  ein
Markstein,  wie  dies  in  bezug  auf  Logik  für  die  Arbeiten  von  Windelband ­
  und  Rickert  gilt.  Es  ist  richtig,  der  unausweichlichen  Frage,  die
Max  Weber  im  Geiste  Husserls  aufwirft,  in  welcher  Art  nämlich
auch  die  Geschichtswissenschaft  objektivierend  denkt,  dieser  Präge
hat  Münsterberg  die  Antwort  vorenthalten.  Auch  von  den  Einzelausführungen ­
  über  den  Vorgang  unserer  Wissenschaften  dürften  nicht
viele  unwidersprochen  bleiben.  Sein  Verständnis  für  das  eigene
Recht  unserer  Wissenschaften  aber,  das  müssen  wir  gerade
diesem  Philosophen,  der  zugleich  um  die  Naturwissenschaft  so  verdient
ist,  hoch  anrechnen  1  Denn  von  überall  sonst,  wo  auch  nur  ein  bißchen
Zusammenhang  mit  der  Naturwissenschaft  die  Brust  schwellen  macht,
            
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