552
>Zur sozial-wissenschaftlichen Begriffsbildung“,
phänomenologischen Denken teilt, die sich von den meisten Formungen
innerhalb des „lesen“ behaupten läßt. Für den Teil dieser Formungen
klingt es daher im voraus plausibler, denkt man ihnen andere an
schauliche Elemente zu, als sie den phänomenologischen Formungen
eigen sind. Nur die Formung „Blick“ klingt ganz und gar phänomeno
logisch; es sei deshalb gerade für ihren Teil versucht, von der
Formung auf das Geformte zurückzugehen.
Natürlich sieht man dabei von jenem „Blick“ ab, der als „freund
licher“, „gnädiger“, „wütender“, „neidischer“ usw. das mehr oder
minder unfreiwillig dargebotene Anzeichen einer Gemütslage vorstellt;
ebenso von jenem „vielsagenden“, „warnenden“ usw. „Blick“, der aus
drücklich als ein Zeichen gemeint ist; und gar erst von jenem „bösen
Blick“, der mystisch als ein Agens gedacht ist. Nur der „Blick“ im
eigentlichen Verstände des Wortes fällt hier in Betracht; gerade dieser
nun scheint restlos darin aufzugehen, daß eine „Augenein
stellung“ erfolgt, unter gleichzeitiger „Steigerung der Aufmerksamkeit
auf Sehreize“. So wiederholt sich hier im engeren Bezirk der Wahn,
als ob schlecht und recht ein „psychophysisches“ Geschehen vorläge 1
Dem zum Trotz versuchen wir nun eine selbständig noetische
Deutung. Danach wäre „Blick“ etwa ein „Akt der Kenntnisnahme
durch das Auge“. Nun ist aber in diesem Zusammenhänge „Auge“
entweder direkt in gleichem Sinne als ein bloßer „Gastbegriff“ abzu
sondern, wie es für „begleiten“ innerhalb der Aussage C zutrifft. Oder
wir suchen, da eine noetische Deutung in Frage steht, nach dem
noetischen Denken hinter diesem Ausdrucke „Blick“, ohne jener
Verquickung mit dem phänomenologischen Denken weiter zu achten.
Dann ergibt sich, daß der Ausdruck „Auge“, noetisch genommen, auch
nur auf ein Anschauliches Berufung einlegt, das vom noetischen
Standpunkt aus überhaupt nur als das „Blickende“, oder „des Blickes
Fähige“, begrifflich erfaßt wird. Im Dienste einer noetischen
Deutung stellt sich mithin die Determination „durch das Auge“ als
eine rückläufige heraus; es wäre „Blick“ mit Hilfe des „Blickenden“
erläutert, somit die Deutung in dieser Hinsicht nichtssagend ist. Der
noetischen Formung „Blick“ eignet es daher, daß sie überhaupt nicht
mehr begrifflich determinierbar erscheint. Als genus proximum
wäre zwar der „Akt der Kenntnisnahme“ da, aber es fehlt an der
differentia specifica, so daß die Anschauung selber hilfreich einspringen
muß. Das will sagen, „Blick“ wäre vom noetischen Standpunkt aus
eine nur mehr anschauliche Variation des „Aktes der
Kenntnisnahme“. Soweit die einzigmögliche Deutung. Aber liegt
nicht ein innerer Widerspruch in der Art und Weise, wie wir die