Full text: Wirtschaft als Leben

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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung 11 , 
tischen Denken spezifisch sind und wieder einen symbolischen Aus 
druck finden: nicht aber in den „imperativen“ Ausrufen, wie dort 
gegenüber dem Wollen, sondern in den richtigen Interjektionen: 
„wehe“, „oh“, „ah“ usw. Dagegen kommen Ausdrücke gleich 
„Schmerz“, „Lust“, „Schreck“, „Drang“, „Zwang“ usw. den leidenden 
Erlebungen selber ganz nahe. Wenn es uns besonders bei den leidenden 
Erlebungen schwer fällt, an ihrer anschaulichen Einfachheit nicht irre 
zu werden, so trägt der Psychologismus daran die Schuld, der in 
diesen Richtungen die Probleme noetisch stellt, dann aber mechanisierend 
löst; das will sagen, unter Abirrung ins Phänomenologische. An der 
Umbiegung der noetischen Kategorie des „Zweckes“ in die „Zweck 
vorstellung“ — diese phänomenologisch als „wirkende Ursache“ ge 
dacht — wird sich dies später besser zeigen lassen. Diesem Psycho 
logismus danken wir auch die unsäglich hölzerne Kontrastierung von 
„Lust“ und „Unlust“, mit der dann ebenso gewaltsam alles auf das 
Einfachste gebracht wird, wie etwa in der Lehre von der Preisgestaltung 
durch den schillernden Begriff des „Wertes“. Es handelt sich auch bei 
„Lust“ und „Unlust“ offenkundig um inhaltliche Verallgemeine 
rungen des Passiven, nur eben um schematisch verzerrte. So unter 
liegen z. B. den Formungen von der Art, daß uns „eine Leidenschaft 
beherrscht“, oder „ein Wunsch beseelt“, oder „ein Bedürfnis inne 
wohnt“, sicher passive Subjektbejahungen als anschauliche Elemente. 
Es würde aber schwer halten, sie unter das scheinbar kategorische 
Schema „Lust—Unlust“ zu beugen. Natürlich bleibt es auch den leiden 
den Erlebungen vollkommen gleichgültig, ob das Erlebnis, das sich mit 
ihnen dem noetischen Denken als Totum darstellt, phänomenologisch 
ein Kompositum von nur seelischen, oder auch sinnlichen Er 
scheinungen ergibt. Ob man nun, in Konkurrenz zu sinnlicher 
Wahrnehmung, „einen Schlag erhält“ oder, ohne diese, „einen Ein 
fall hat“, macht für die leidenden Erlebungen, die hier unter 
liegen, nicht den mindesten Unterschied aus! 
Noch weniger darf man eine Analogie zur Scheidung zwischen 
dem Seelischen und dem Sinnlichen darin sehen, wenn wir es so 
deutlich zu trennen wissen, daß uns das eine Erlebnis noetisch als 
tätige, das andere als leidende Erlebung gilt. Hier wird nicht ein 
logisches Verhältnis ins Ontologische umgedacht. Die Verifikation 
der Aussagen spielt hier überhaupt nicht mit. So ist z. B. die Aus- 
sage „Dieser liest“ in der Richtung der tätigen Erlebung des 
„Blickens“ gar nicht anders verifizierbar als in der Richtung jener 
leidenden Erlebung, für welche das „Kenntniserhalten“ einspringt- 
Was soll auch für das „blicken“ die Konkurrenz sinnlicher Wahr
	        
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