Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

I. Das kurze Leben einer viel genannten Theorie. _ 
andrerseits ebenfalls auch wieder die Gefahr, die in der Ver- 
wendung der Analogie liegt. Er hätte sich die hinsichtlich des 
Mir gemachte Beobachtung nur als heurisstisches Prinzip dienen 
lassen sollen. Er ging aber darüber hinaus und mißhandelte 
zugunsten seiner Analogien die Aussagen der unmittelbaren 
Quellen über die Verhältnisse der alten Germanen. Der Haupt- 
fehler seines Buches liegt eben in dem, worin die Begründer 
der Theorie vom Ureigentum gefehlt haben: er legt zuviel Wert 
auf die Vergleichung und zu wenig auf die unmittelbare Inter- 
pretation der Quellen.!) 
Wir klagen keineswegs die Vergleichung an sich an. Aber 
wir stellen in den Vordergrund die unmittelbaren Nachrichten 
und verlangen ferner, daß Herausarbeitung, Auswahl und 
Zusammensstellung der Vergleichsobjektte mit der größten Um- 
sicht vorgenommen werden. ?) Der weite Blick muß seine Er- 
gänzung durch sorgfältige Kleinarbeit in Klarstellung der Be- 
griffe )) und Zuverlässigkeit der Interpretation finden. Der 
Respekt vor den unmittelbaren Aussagen der Quellen wird 
erhöht, wenn man sich stets gegenwärtig hält, daß jeder analoge 
Fall für sich doch auch nur durch mühsame Interpretation von 
Rechts wegen gewonnen werden kann. In der Praxis stellt 
sich freilich die Sache unendlich oft so, daß man es mit dem heran- 
gezogenen „analogen Fall“ nicht so schwer nimmt, jsich etwa 
mit einer Mitteilung aus dritter oder vierter Hand begnügt. 
So viel über die Frage, welche Dienste die unmittelbare 
Interpretation und die Analogie für die einfache Ermittlung 
der Tatsachen leisten. Wenn man nun darüber hinausgehen 
1) Von K. Bücher, einem der einflußreichsten Begründer der 
Lehre vom Ureigentum, wollen wir übrigens um der Gerechtigkeit 
willen hervorheben, daß er keineswegs in allen seinen Schriften von 
der historischen Analogie einen so starken Gebrauch gemacht hat wie 
in dem hier in Betracht kommenden Werk. In einer wichtigen Kontro- 
verse hat er einmal gegenüber Roscher den Sat geltend gemacht, die 
Analogie sei kein Beweis (Bevölkerung von Frankfurt a. M. I, S. 590). 
2) Vgl. Ratzel, H. Z. 93, S.40. 
3) Vgl. Deutsche Literaturzeitung 1909, Nr. 15, Sp. 904 (zu 
dem bekannten Fall Jensen-Gilgameqsch). 
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