Full text : Wirtschaft als Leben

Zusatz  zu  Abschnitt  II.

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setzen,  so  daß  man  weiß,  weshalb  einmal  von  „Wert“,  das  andere  Mal
von  „wirtschaftlichem  Wert“  gesprochen  wird.  So  z.  B.  Schäffle
und  Wolf.  Aber  auch  diese  beachten  diese  Scheidung  nur  für  den
Teil  der  eigenen  Aussagen,  während  auch  sie  mit  den  fremden
Aussagen  polemisieren,  ohne  Acht  darauf,  ob  die  letzteren  von  „Wert“
oder  von  „wirtschaftlichem  Wert“  reden.
Bei  anderen  Theoretikern  wieder  ist  es  keineswegs  klar  ersichtlich, ­
  in  welchem  Verhältnisse  das  unter  „Wert“  Gemeinte  zu  dem  unter
„wirtschaftlichem  Wert“  Gemeinten  steht  und  beides  erscheint  oft  in
ein  und  demselben  Satzgefüge  durcheinander  geworfen;  s.  z.B.v.Böhm-Bawerk,
  Art.  „Wert“  in  Conrads  Handwörterbuch  d.  St.-W.  S.  685:
„Von  der  volkswirtschaftlichen  Theorie  des  Wertes  heischen  wir,  daß
sie  uns  die  Entstehung  und  insbesondere  auch  die  Größe  des  wirtschaftlichen
Wertes  erkläre  und  zwar  ist,  entsprechend  der  Doppeldeutigkeit  dieses  Namens,
jene  Erklärungsaufgabe  natürlich  für  jede  der  beiden  verschiedenen  Erscheinungsgruppen ­
  zu  leisten,  die  rnit  dem  Namen  des  Wertes  bezeichnet
werden;  sowohl  für  den  subjektiven  als  für  den  objektiven  Wert  der  Güter.“
Die  weitaus  meisten  Theoretiker  gebrauchen  überhaupt  nur  den
Ausdruck  „Wert“;  dies  gilt,  mehr  noch  als  für  die  deutsche,  für  die
außerdeutschen  Literaturen.  Ihnen  ist,  von  Übersetzungen  und  Nachahmungen ­
  abgesehen,  ein  dem  Ausdrucke  „wirtschaftlicher  Wert  entsprechender ­
  Ausdruck  so  gut  wie  fremd  geblieben.
Dies  zur  Illustration.  Entscheidend  aber  in  dieser  Hinsicht  muß
es  erscheinen,  wenn  man,  ohne  Widerspruch  befürchten  zu  müssen,
behaupten  kann:
1.  Ein  Gegensatz,  der  sich  in  der  Verschiedenheit  der  beiden  Ausdrücke ­
  „Wert“  und  „wirtschaftlicher  Wert“  kundgeben  sollte,  ist
niemals  zum  Gegenstand  der  Polemik  zwischen  den  verschiedenen ­
  „Werttheorien“  gemacht  worden.  Niemals  hat  man  z.  B.
verfochten,  es  sei  das  oder  jenes  wohl  „Wert“,  aber  nicht  „wirtschaftlicher ­
  Wert“,  oder  umgekehrt  u.  dgl.
2.  Die  Polemik,  die  zwischen  den  verschiedenen  Theoretikern  und
insbesondere  in  den  sogenannten  „Dogmengeschichten  des  Wertes“
von  allen  gegen  alle  geführt  wird,  diese  Polemik  hat  niemals  eines
Gegensatzes  geachtet,  der  sich  in  der  Verschiedenheit  jener
beiden  Ausdrücke  äußerlich  dargetan  hätte.  Man  hat  sich,  ehe  die
Polemik  anhub,  niemals  darüber  auseinandergesetzt,  daß  der  eine
Theoretiker  von  „Wert“,  der  andere  jedoch  von  „wirtschaftlichem
Wert“  spricht,  vielmehr  geradenwegs  das  eine  gegen  das  andere  verfochten, ­
  als  ob  dem  äußerlichen  Gegensatz  im  Ausdrucke  eine  Nämlichkeit ­
  des  Inhalts  entspräche.
V.  Gottl-Ottlilienfeld,  Wirtschaft  als  Leben.

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