Full text : Wirtschaft als Leben

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Soziologische  Zusammenhänge,  XI.

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Wissenschaften“  wäre  demnach  „Soziologie“  als  eine  gleichsam  berichtigende ­
  Erläuterung  zur  Seite  gedacht
Hier  sei  durchaus  vorgreifend  eingeschaltet,  daß  es  selbstverständlich ­
  immer  zulässig  bleibt,  überall  dort,  wo  uns  die  erlebte  Wirklichkeit ­
  als  das  menschliche  Zusammenleben  entgegentritt,  durch  eine  veränderte ­
  Einstellung  des  erfahrenden  Denkens  auch  „Natur“  zu  sehen;
dann  erblickt  man  also  z.  B.  dort,  wo  für  uns  Staat  oder  Familie  oder
Genossenschaft  und  Ähnliches  tatsächlich  ist,  etwa  nur  mehr  „Systeme
verwickelter  Reizauslösung“,  im  Geiste  Hugo  Münster  bergs.  Eben
darum  sind  diese  Systeme  selber  ausdrücklich  nicht  mehr  menschliches
Zusammenleben,  und  so  bleibt  der  hervorgestellte  Gegensatz  gegenüber
der  Natur  und  den  Naturwissenschaften  unerschüttert  aufrecht.  Soziologie ­
  als  Inbegriff  würde  also  auch  jene  Naturwissenschaften  ausschließen, ­
  die  sich  mit  solchen  „Reizauslösungssystemen“  beschäftigen
müßten;  so  stünde  insbesondere  die  „Psychologie  als  Naturwissenschaft“
außerhalb  der  Soziologie.  Den  hier  gemeinten  Gegensatz  scheint  mir
nun  „Soziologie  als  Inbegriff“  glücklicher  ins  rechte  Licht  zu  rücken,
als  wenn  man  den  Naturwissenschaften  etwa  die  „Kulturwissenschaften“
entgegensetzt.  Freilich,  sobald  der  Gegensatz  schon  im  Worte  scharf
anklingt,  wie  auch  in  diesem  Falle,  schmeichelt  er  sich  unserem  Denken
stets  ein;  pflegen  wir  doch  z.  B.  im  Lehrbetrieb  unserer  Wissenschaft
auch  der  theoretischen  Nationalökonomie  sofort  eine  „praktische“
Nationalökonomie  zu  paaren,  obgleich  dies  mehr  ein  schlechter  Witz
a ls  ein  guter  Name  dafür  ist,  daß  neben  den  theoretischen  Gebieten
auch  die  empirischen  Gebiete  zum  Gegenstand  einer  Vorlesung  werden.
Gewiß  steht  hinter  der  Wortklammer  „Kulturwissenschaften“  das  sehr
ernst  zu  nehmende,  geniale  Theorem  Heinrich  Rickerts:  ein  durchgängiges ­
  „Beziehen  auf  Kulturwerte“,  als  „Prinzip  der  Auslese“.  Erstens
aber  kann  man  schon  über  das  Kategorische  dieses  Vorganges  anderer
Meinung  sein.  So  stellt  sich  gerade  unsere  Wissenschaft  darin  in
Gegensatz  zur  Geschichte,  daß  hier  ein  „Beziehen  auf  Probleme  in
Kraft  steht.  Zweitens  gilt  hinsichtlich  des  Wortes  „Kultur“,  daß  sich
jeder  mindestens  einbildet,  und  auch  darauf  etwas  einbildet,  ein  ganz
Bestimmtes  zu  meinen.  Ob  nun  dieser  störrige  „Kulturbegriff  jedesmal ­
  wieder  mit  dem  Dienst  des  Wortes  als  Sammelname  im  Einklang
steht,  das  bezweifele  ich  auch  in  eigener  Sache.  Dagegen  hat  man
sich  längst  gewöhnt,  unter  „Soziologie“  alles  nur  Erdenkliche  verstanden ­
  zu  wissen,  um  so  weniger  also  selber  dabei  etwas  zu  denken;
u nd  dies  macht  das  Wort  zum  Sammelnamen  außerordentlich  geeignet.
Nur  leider,  weil  dieser  Name  so  geduldig  ist,  wirkt  sich  der  Fluch
seines  Ursprungs  —  er  stammt  ja  vom  Reißbrett  der  „positivistischen“
            
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