Full text : Wirtschaft als Leben

7io

,Vom  Wirtschaftsleben  und  seiner  Theorie 1

IV.
Wie  hängt  nun  das  lebenstheoretische,  das  Denken  in  Gebilden,
mit  der  Nationalökonomie  zusammen  ?  Meine  Beispiele  haben  zum
Glück  die  Verbindung  mit  der  Nationalökonomie  aufrechterhalten  und
so  den  Eindruck  abgewehrt,  als  ginge  die  Fahrt  nach  Wölkenkuckucksheim. ­
  Und  wie  man  sich  zu  einem  Denken  in  Gebilden  praktisch
durchringen  kann,  das  lehrt  die  Tatsachenforschung,  mindestens  in
ihren  reifsten  Werken,  deren  Inhalt  uns  gerade  daraufhin  so  lebensinnig ­
  anmutet.  Zu  der  Einstellung  jedoch  auf  Wirtschaft  als  Leben,
womit  zugleich  das  Denken  in  Gebilden  in  Kraft  tritt,  dazu  führt  nun
auch  die  erkenntniskritische  Selbstbesinnung  unseres  Faches!  Denn
sie  belehrt  nicht  nur,  wie  es  roh  anzudeuten  war,  über  Erkenntnisstoff
und  Erkenntnisziel  dieser  Disziplin,  sie  erschließt  auch  deren  Grundproblem, ­
  und  auf  dessen  Inhalt  führt  jene  Einstellung  unmittelbar
zurück.  Das  soll  sich  zeigen.  Aber  von  hier  ab  kann  ich  aus  einem
streng  geschlossenen  Gedankengang,  der  bei  der  erkenntniskritischen
Selbstbesinnung  des  nationalökonomischen  Denkens  abrollt,  bloß  die
letzten  Ergebnisse  auslösen;  die  zwingende  Schlußfolge  selber  muß  ich
unterdrücken,  das  würde  viel  zu  weit  führen.  Es  trifft  sich  günstig,
daß  gerade  diese  letzten  Folgerungen  von  recht  einleuchtender  Natur  sind.
Wie  lautet  das  nationalökonomische  Grundproblem?  Es  ist  von
zwei  Vorstellungen  getragen,  die  sich  mithin  als  die  richtigen  Grundvorstellungen ­
  unseres  fachlichen  Denkens  aufspielen,  im  Zustand  seiner
schon  errungenen  Selbstbesonnenheit.  Von  der  einen  war  das  Nötigste
schon  zu  sagen;  das  ist  jene  Vorstellung  von  der  Gestaltung  menschlichen ­
  Zusammenlebens,  womit  unser  fachliches  Denken  schon  zu
lebenstheoretischem  Stil  verpflichtet  erscheint.  Die  andere  Grundvorstellung ­
  ist  die  vom  sozusagen  wirtschaftsfüllenden  Spiele  zwischen
Bedarf  und  Deckung.  Auch  das  sind  mir  keine  bloßen  Worte,
vom  Alltag  als  Richtschnur  des  Denkens  übernommen,  so  daß  dieses
so  tanzen  müßte,  wie  jene  pfeifen.  Auch  das  sind  nur  die  sprachnotwendigen
  Namen  für  unabhängig  von  ihnen  erarbeitete  Theoreme.  An
letzter  Stelle  unterliegt  hier  die  Einsicht  in  eines  der  Grundverhältnisse
alles  menschlichen  Zusammenlebens,  in  jenes,  das  ich  die  Lebensnot
genannt  habe.  Das  ist  der  grundsätzliche  Widerspruch,  damit  gegeben,
daß  alles  Wollen  als  solches  unbeschränkt,  alles  Können  stets  begrenzt
ist.  Dieses  Grundverhältnis  zwingt  nun  schon  dem  praktischen  Handeln
eine  Erwägung  auf.  Man  darf  sie  vom  Platz  weg  die  ökonomischpragmatische
  Erwägung  nennen,  denn  nachweislich  läßt  sich  ihr
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.