Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

164  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

reichen.  Setzt  sich  doch  dasjenige,  was  wir  als  Volkswirtschait  zu
bezeichnen  pflegen,  in  erster  Linie  aus  den  Handlungen  und  den
Willensäußerungen  der  einzelnen  Wirtschaftssubjekte  zusammen,  die
nur  durch  zahlreiche  innere  und  äußere  Bande,  aus  eigenem  Entschluß ­
  oder  zwangsweise,  zusammen  gehalten,  unserem  geistigen
Auge  als  eine  wirtschaftliche  Einheit  erscheinen,  die  wir  dann  als
Volkswirtschaft  bezeichnen.
Es  handelt  sich  hier  um  die  Anwendung  des  sogenannten  privatwirtschaftlichen ­
  Gesichtspunktes  in  der  Sozialökonomie 1 )  darum,
daß  man  in  diesem  Falle  das  Streben  nach  dem  größten  Ertrage  als
Zweck  und  die  dazu  eingeschlagenen  Wege  als  Mittel  auffaßt,  dann
die  Art  dieser  angewandten  Mittel  untersucht,  um  auf  dieser  Grundlage ­
  dann  wichtige  volkswirtschaftliche  Zusammenhänge  festzustellen.
Der  Ausgangspunkt  ist  also  hei  der  folgenden  Betrachtung  in
erster  Linie  die  private  Unternehmung.  Diese  ist  ja  der  Ausgangspunkt ­
  zahlreicher  Handlungen,  aus  deren  Wirkungen  jene  mannigfaltigen ­
  Probleme  hervorgehen,  welche  den  Aufgabenkreis  der
nationalökonomischen  Wissenschaft  bilden  und  aus  denen  wichtige
Aufgaben  für  die  staatliche  Gesetzgebung  und  Verwaltung  erwachsen.
Aber  auch  der  umgekehrte  Zusammenhang  ist  vorhanden.  In
der  Tätigkeit,  in  der  Ausgestaltung,  in  der  Wahl  der  Mittel  der
einzelnen  Privatwirtschaften  spiegeln  sich  alle  jene  zahlreichen
Veränderungen  wieder,  die,  wie  z.  B.  jene  der  Technik  oder  der
Rechtsordnung,  auf  unsere  wirtschaftliche  Entwicklung  von  Einfluß
sind  und  mit  denen  sich  jede  einzelne  Wirtschaft  und  Unternehmung,
aber  jede  wieder  nach  ihrer  Eigenart,  in  ganz  verschiedener  Weise,
abzufinden  hat  und  damit  wieder  durch  die  Art  ihrer  Reaktion
darauf  einen  ganz  bestimmten  Einfluß  auf  das  Ganze  ausübt.
Die  Wahl  dieser  Mittel  zur  Erreichung  dieses  privatwirtschaftlichen ­
  Zieles,  des  größten  Ertrages,  ist  also  keineswegs  ein  für  allemal ­
  eine  gleichartige.  Sie  ist  vielmehr  durchaus  abhängig  von  den
konkreten  wirtschaftlichen  Voraussetzungen  einer  jeden  Unternehmung, ­
  wie  dem  Stande  ihrer  Technik,  der  höheren  oder  niedrigeren
Zusammensetzung  ihres  Kapitals  im  Sinne  von  Karl  Marx,  ihren
Absatzverhältnissen,  der  Zusammensetzung  ihrer  Arbeiterschaft  usw.
Wenn  wir  z.  B.  beobachten,  daß  einzelne  Industrien  oder  Unternehmungen ­
  bei  einer  bestimmten  Art  der  Konjunktur  eine  ganz  verschiedene ­
  Preis-  und  Absatzpolitik  verfolgen,  so  haben  wir  in  dieser
1 )  Ein  Teil  der  folgenden  Darlegungen  dieses  Abschnittes  ist  meinem
Aufsatze:  Der  privatwirtschaftliche  Gesichtspunkt  bei  der  Erforschung  der
Konjunkturentwicklung  entnommen.  In:  „Die  private  Unternehmung,  Ifeftl.
Der  privatwirtschaftliche  Gesichtspunkt  in  der  Sozialökonomie  und  Jurisprudenz.“ ­
  Mannheim  1914.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.