Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

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Einleitung.

Alle  wissenschaftliche  Betrachtung  will  erklären,  aber  auf  eine
wissenschaftliche  Erklärung  drängen  nur  solche  Erscheinungen  hin,
welche  in  ihrer  Entstehung  und  in  ihrer  kausalen  Verknüpfung  mit
anderen  Erscheinungen  dunkel  sind.  Da  dies  hierbei  jedoch  nicht
der  Fall  war,  so  hatte  die  wissenschaftliche  Betrachtung  keine  Veranlassung, ­
  sich  mit  diesen  älteren  Wirtschaftsstörungen  zu  befassen.
Ganz  anders  wurde  nun  die  Sachlage,  als  vor  allem  mit  dem  Beginn
des  19.  Jahrhunderts  diese  Krisen  allenthalben  so  häufig  und  regelmäßig ­
  aufzutreten  begannen,  als  sie  vor  allem  in  England  in  dem
ersten  Viertel  des  19.  Jahrhunderts  das  Wirtschaftsleben  bis  in  seine
Grundfesten  erschütterten  und  die  unheilvollsten  Wirkungen  auf  die
Lage  der  großen  Masse  der  Bevölkerung  ausübten.
Der  allgemeine  Preisfall  bei  der  ersten  großen  Wirtschaftskrise
des  19.  Jahrhunderts  in  England  zwischen  Frühling  und  Herbst  des
Jahres  1810  betrug  im  Durchschnitt  etwa  30o/ o .  In  den  vier  Monaten
von  Ende  Oktober  1810  bis  Ende  Februar  1811  machten  in  England
939  Häuser  Bankerott,  die  zeitweiligen  Zahlungseinstellungen  und
Vergleichsabkommen  erstreckten  sich  auf  über  die  Hälfte  aller  Geschäftsleute ­
  im  vereinigten  Königreich.  Bei  der  großen  englischen
Krise  des  Jahres  1815  stellten  innerhalb  sechs  Wochen  70  Provinz,-banken
  ihre  Zahlungen  ein.  Die  Preise  der  meisten  Waren,  vor
allem  auch  von  kolonialen  Rohstoffen,  sanken  um  etwa  50o/o  und
mehr,  die  Getreidepreise  fielen  von  1814  bis  1816  um  mehr  als  die
Hälfte,  die  Bank  von  England  sah  sich  gezwungen,  vom  31.  August
1814  bis  28.  Februar  1816  ihren  Notenumlauf  von  rund  13,4  auf
24  Millionen  Pfund  Sterling  zu  erhöhen.  In  den  beiden  Jahren  1815
und  1816  wurden  in  England  5116  Konkurse,  darunter  63  über
Banken,  verhängt.  Die  Krise  des  Jahres  1819  war  nicht  ganz  so
heftig  und  verhängnisvoll  in  ihren  Wirkungen,  während  diejenige  des
Jahres  1825  wiederum  weit  schlimmer  war.  Am  Ende  dieses  Jahres
brach  eine  gewaltige  Panik  aus.  Zahlreiche  Handelshäuser  und
Banken  mußten  ihre  Zahlungen  einstellen.  Die  Anspannung  auf
dem  Geldmarkt  überstieg  alles  bisher  Dagewesene.  Der  Zinsfuß
für  kurzfristiges  Geld  stieg  auf  30  und  50  o/o,  ja  sogar  bisweilen
auf  100  o/o.  In  einer  Zeit  von  4—5  Wochen  waren  73  Londoner  und
Provinzbanken  zusammengebrochen.
Solche  schweren  Erschütterungen,  welche  das  Land  in  diesen
Jahren  durchzumachen  hatte,  waren  natürlich  genügend  Anlaß,  sich
mit  den  damit  zusammenhängenden  Fragen,  vor  allem  mit  den
Ursachen  dieser  Krisen,  genauer  zu  befassen.  Die  ersten  wissenschaftlichen ­
  Erklärungsversuche,  welche  für  solche  Krisen  gemacht
worden  sind,  knüpfen  auch  zeitlich  und  sachlich  an  diese  schweren
            
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