Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

2.  Die  private  Unternehmung  im  Wandel  der  Konjunktur.

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bei  gutem  Geschäftsgang  nicht  so  rasch  liefern,  wie  es  bei  diesen
Artikeln  nötig  ist.“
Über  solche  Verhältnisse  berichtet  Gothein  aus  der  Mannheimer
Gießereiindustrie,  ans  dem  Pforzheimer  Bijouteriegewerbe  und  der
Rheinschiffahrt.  Die  kleinen  Betriebe  sind  es,  welche  er  hierbei  als
die  Reservearmee  des  Kapitals  bezeichnet.  Mit  dem  Gesagten  hängt
es  dann  auch  zusammen,  daß  sich  die  Herstellung  solcher  sehr  der
Mode  unterworfener  Artikel  vornehmlich  auch  in  der  Form  der
Hausindustrie  vollzieht,  wo  der  Unternehmer  ohne  größeres  stehendes.
Kapital  arbeitet,  also  auch  in  der  Lage  ist,  ohne  Verluste  den  Betrieb
auszudehnen  oder  einzuschränken.
Wenn  in  diesen  Modeindustrien  die  Bedarfsrichtung  so  raschen
und  plötzlichen  Änderungen  unterliegt,  so  muß  ein  solcher,  hier  jeder
Zeit  möglicher  Konjunkturumschwung,  bei  dem  Besitze  eines  großen
Lagers  solcher  Waren,  ein  erhebliches  Risiko  bedeuten.  Wir  sehen
deshalb  in  solchen  Industrien  einen  Kampf  zwischen  Fabrikanten
und  Händlern  darum,  wer  das  Risiko  in  diesem  Falle  zu  tragen  hat.
Beckerath  berichtet  darüber  aus  der  deutschen  Seidenweberei,  in
welcher  die  Abnehmer  mit  Erfolg  bemüht  waren,  diese  Risiken  tunlichst ­
  dem  Fabrikanten  aufzubürden.
„Zunächst  ging  man,  wie  gesagt,  äußerst  rücksichtslos  in  der
Retournierung  von  Waren  vor,  die  sich  als  nicht  marktgängig  erwiesen, ­
  und  bestellte  Lieferungen  von  solchen  Waren  ab,  auch  wenn
sie  schon  in  der  Fabrik  in  Arbeit  genommen  waren.  Man  fand  in  dem
Entgegenkommen  der  Fabrikanten  noch  wirksamere  Handhaben,  um
die  Gefahren  des  spekulativen  Charakters  des  Seidengeschäftes  auf
diese  abzuwälzen.  Dahin  gehören  zunächst  die  Errichtung  der  Konsignationslager ­
  der  Fabrik  bei  den  Kunden  und  die  Verkäufe  in
Option.  —  Konsignationslager:  Der  Fabrikant  deponiert  bei  dem
Kunden  ein  Warenlager,  das  bis  zum  Verkaufe  der  Waren  durch
den  Kunden  in  seinem,  des  Fabrikanten,  Eigentum  bleibt,  erst  in  dem
Maße,  wie  die  Waren  verkauft  werden,  wird  der  Kunde  ihr  Eigentümer ­
  und  deswegen  Schuldner  des  Fabrikanten.  Was  nicht  abgesetzt
wird,  erhält  letzterer  zurück 1 ).“
Audi  nach  einer  anderen  Richtung  hin  schaffen  diese  Gefahren
des  plötzlichen  Konjunkturwechsels  ganz  eigenartige  Verhältnisse
zwischen  Fabrikanten  und  Händler  in  manchen  Modeindustrien.  Im
allgemeinen  hat  der  Handel,  vor  allem  der  Großhandel,  für  den
h  abrikanten  für  den  Vertrieb  seiner  Erzeugnisse  eine  beträchtliche
Bedeutung.  Der  Handel  ermittelt  die  Absatzgelegenheiten,  er  schafft

U  Beckerath,  Die  Kartelle,  a.  a.  0.  S.  45.
            
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