Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

2.  Die  private  Unternehmung  im  Wandel  der  Konjunktur.

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schüttet  also  in  der  Hochkonjunktur  nicht  so  viel  an  Gewinnen  aus,
als  es  möglich  wäre,  um  in  den  Zeiten  der  Depression  nicht  vor  die
Notwendigkeit  gestellt  zu  sein,  mit  der  Dividende  zu  sehr  herabgehen
zu  müssen.  Ein  Bild  einer  solch  energischen  Abschreibungs-  und
Rückstellungspolitik  gibt  die  folgende  Zahlenreihe 1 ):

Betriebsgewinn
Millionen  Mark

Abschreib.,  Rückstellg.
  u.  dergl.
Millionen  Mark

Dividende
°/o

1912/13

gegen
1911/12

1912/13

gegen
1911/12

1912/13

1911/12

Rheinische  Stahlwerke
Bochumer  Verein  .  .
Georg-Marien-Hütte
Van  der  Zypen  .  .  .
Maximilianshütte  .  .

12,21
8.90
5,24
4,52
7.90

[-3,50
-2,10
-1,36
r  1,38
-0,70

6,71
2,50
3,36
2,46
4,97

[-3,29
-0,62
-1,23
-1,27
h  0,69

10
14
5  bzw.  7
12
30V 5

10
14
5  bzw.  7
12
30  */.

Zusammen

38,77

-

h  9,04  ü  20,00

h  7,10

—

—

Betrachtet  man  die  Ergebnisse  der  amtlichen  Statistik,  wie  sie
sich  bis  zum  Jahre  1905  zurück  alljährlich  im  statistischen  Jahrbuch
für  den  preußischen  Staat  vorfindet,  so  sieht  man  deutlich,  wie  stark
die  Reservebildung  bei  den  deutschen  Aktiengesellschaften  in  diesen
letzten  Jahren  gestiegen  ist.  Dabei  lassen  diese  Zahlen  nur  den  Betrag ­
  der  offenen,  nicht  den  der  stillen  Reserven,  der  wohl  noch  größer
gewesen  ist,  erkennen.  Während  im  Geschäftsjahr  1903  auf  1904
auf  die  Aktiengesellschaften  in  Preußen  bei  einem  Aktienkapital  von
zusammen  6869  Millionen  Mark,  1117  Millionen  Mark  echte  Reserven
entfielen,  kamen  nach  den  im  Jahre  1913  aufgestellten  Bilanzen  auf
ein  Aktienkapital  von  11269  Millionen  Mark  2450  Millionen  Mark
echte  Reserven.  Der  Prozentsatz  dieser  letzteren  hatte  sich  also  in
diesem  Zeitraum  auf  das  Aktienkapital  berechnet,  von  16,3  auf  21,8o/ 0
gehoben.  Wir  werden  später  Gelegenheit  haben,  in  anderem  Zusammenhänge ­
  auf  diese  Fragen  der  Bilanz-  und  Dividendenpolitik
noch  einmal  einzugehen.
Je  nach  der  Eigenart  und  den  besonderen  Verhältnissen  der  einzelnen ­
  Industrien  und  Unternehmungen  gestalten  sich  also  die
Mittel,  welche  sie  im  Wandel  der  Konjunktur  zum  Selbstschutz  und
zui  Anpassung  an  die  neue  Lage  anwenden,  andersartig.  Daraus
ergibt  sich,  daß  in  der  Nachkriegszeit,  wo  Industrie  und  Handel
unter  dem  Einflüsse  der  Valutakrisen  vor  ganz  aridere  und  neue
Aufgaben  gestellt  waren,  auch  wieder  andere  und  neue  Mittel  der
Konjunkturpolitik  gewählt  worden  sind.

B  Nach  der  Frankfurter  Zeitung,  Abendblatt.  15.  August  1913.
            
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