Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

206  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

ßere  Beschäftigung  usw.)  zugute.  Der  Kredit  bedeutet  also  eine  Verschiebung ­
  der  Kaufkraftverteilung  zugunsten  der  Unternehmungen
und  als  Wirkung  auf  dem  Markt  die  Erhöhung  der  Kapitalgiiterpreise
auch  über  die  Konsumgüterpreise  hinaus 1 ).“
Auch  in  diesen  Worten  wird  also  betont,  daß  die  treibenden
Kräfte  für  den  Konjunkturumschwung  vom  Kapital-  und  Geldmarkt
ihren  Ausgang  nehmen.  An,  den  unten  genannten  Stellen  der  Wirtschaftskurve ­
  sind  dann  auch  entsprechende  Zahlenreihen  für  Deutschland ­
  berechnet  worden.  Freilich  sind  alle  derartigen  Maßstäbe  und
Mittel,  das  liegt  ja  in  der  Natur  der  Sache,  nur  für  solche  Konjunkturrückgänge ­
  brauchbar,  welche  aus  endogenen  Ursachen  hervorgehen,
nur  dann  also,  wenn  keine  von  außen  kommenden  Faktoren  wie
Krieg,  große  umwälzende  Erfindungen  oder  schwere  Mißernten  usw.,
den  normalen  Gang  des  Wirtschaftslebens  störend  beeinflussen.
Im  folgenden  wollen  wir  die  zwei  Konjunkturperioden  von
1906—08  und  1911—13  genauer  betrachten,  und  sehen,  an  welchen
Punkten  des  Wirtschaftslebens  zuerst  und  am  deutlichsten  bemerkbar ­
  sich  die  Anzeichen  des  kommenden  Umschwunges  beobachten
ließen.  Wir  wollen  dabei  zunächst  uns  einige  Stimmungsberichte
ansehen,  wie  wir  sie  damals  vor  allem  in  einer  Reihe  von  Tageszeitungen ­
  vorfinden  konnten.  Wir  wenden  uns  dabei  zunächst  dem
Konjunkturumschwung  der  Jahre  1906—08  zu.
Das  Jahr  1906  war,  wie  wir  gesehen  haben,  eine  Zeit  der  Hochkonjunktur ­
  gewesen.  Jedoch  zeigte  sich  bereits  vom  Herbst  dieses
Jahres  ab  eine  erhebliche  Anspannung  am  Geldmärkte,  während  der
Geschäftsgang  der  Industrie  noch  ein  sehr  günstiger  war.  Die  im
Herbste  dieses  Jahres  herauskommenden  Geschäftsabschlüsse  wiesen
fast  alle  noch  steigende  Erträge  und  Dividenden  auf,  wenn  auch,  was
als  wichtiges  Konjunktursymptom  immerhin  zu  verzeichnen  war,  die
Steigerung  dieser  Gewinne  wesentlich  geringer  war  als  im  Vorjahre.
Die  Frankfurter  Zeitung  hatte  schon  im  November  1906  darauf
hingewiesen *  2  ),  daß  bereits  an  .der  Börse  und  in  den  Finanzkreisen,
wie  auch  im  außenstehenden  Publikum  eine  gewisse  Scheu  zutage
trete,  und  die  Frage  aufgeworfen,  ob  nicht  das  eines  Tages  unvermeidliche ­
  Absteigen  der  Kurve  bereits  nahe  gerückt  sei.  Am  Aktienmarkt ­
  überwogen  bereits  die  Kursrückgänge  trotz  der  erhöhten
Dividenden.  „Die  hierin  sich  ausdrückende  Unlust  und  das  Ausbleiben ­
  von  neuen  Käuferschichten  trotz  lohnender  Gewinne  mahnen,
so  folgerten  wir  schon  im  Oktober,  eindringlich  zur  Vorsicht  in  der

U  A.  a.  O.  S.  23.
2 )  Am  25.  November  1906.
            
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