Full text: Einführung in das Studium der Konjunktur

4. Die Prognose des Konjunkturwandels. 
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dem Gütermarkte in dieser Zeit bereits gewisse Wandlungen zeigten, 
daß sich in Industrie und Handel bereits gewisse Änderungen an 
bahnten, wurde auch mitunter hervorgehoben. Man hat darauf hin 
gewiesen, daß zwar die Gewinne der Industrie in dem Jahre 1906 
gegenüber dem Vorjahre noch zugenommen hatten, wies aber doch als 
beachtenswertes Symptom auch darauf hin, daß diese Zunahme eine 
geringere gewesen sei als im Vorjahre. Wahrend die Aktien von 43 
an der Berliner Börse notierten Industriegesellschaften von dem 
Jahre 1904 auf 1905 ihre Dividende um 4,48 o/o steigern konnten, 
betrug die Zunahme vom Jahre 1905 auf 1906 nur noch 1,04 o/ 0 . In 
dem Berichte der Berliner Kaufleute und Industriellen war als be 
achtenswertes Symptom für das Jahr 1906 bereits darauf hin 
gewiesen worden, daß während im Vorjahre der Güterverkehr in 
Berlin noch um 9,75 o/o zugenommen hatte, er vom Jahre 1905 auf 
1906 nur um 5,33 °/o gestiegen war. Auch die deutsche Warenausfuhr 
hatte im Jahre 1906 nicht mehr die gleiche Zunahme erfahren, wie 
im Vorjahre. Ihre Zunahme war damals mit 508 Millionen um 
114 Millionen Mark größer gewesen als im Jahre 1906. Es gab also 
schon außerhalb des Geldmarktes mancherlei Symptome, die jeden 
falls Andeutungen dafür gaben, daß die Hochkonjunktur sich ihrem 
Kulminationspunkte näherte. 
Demgegenüber sehen wir aus den Bemerkungen Wachlers, aber 
auch aus denjenigen, die damals aus anderen Kreisen der Industrie 
laut wurden, daß der Industrielle vielfach deswegen diese heran 
nahenden Symptome eines Umschwungs weniger beachtet, weil er vor 
allem auf die Tatsache sieht, daß die Werke für längere Zeit hinaus 
mit Aufträgen versehen sind. Es ist sicher kein Zufall, daß man 
beobachten kann, daß die Ansichten über die weitere Entwicklung 
der Konjunktur um so optimistischer sind, von einzelnen Ausnahmen 
natürlich abgesehen, je mehr es sich um Äußerungen handelt, die 
aus den Kreisen in der Nähe der Industrie stammen, dagegen um so 
ernster und weitschauender, je mehr sich die Betreffenden aus dieser 
Nähe entfernen und je weniger die augenblicklich noch rege Be 
schäftigung der Industrie, als vielmehr die allgemeine Lage und vor 
allem die Entwicklung des Geldmarktes für sie in den Vordergrund 
tritt. 
Bei dem Ausbruch der Krise um die Jahrhundertwende hat man 
durchaus die gleiche Beobachtung machen können. Derjenige, welcher 
eben mitten im industriellen Leben steht, gerät zu leicht in Gefahr, 
die wirtschaftlichen Verhältnisse und ihre Aussichten, vornehmlich 
unter dem naturgemäß engen Gesichtskreis der augenblicklichen Lage 
der eigenen engeren Umgebung heraus zu beurteilen und darüber
	        
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