4. Die Prognose des Konjunkturwandels.
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vor allem verschärft durch die Bankkrisis in Amerika, über den
Konjunkturumschwung nirgends mehr ein Zweifel sein konnte.
Faßt man zusammen, so ist es deutlich erkennbar, daß die ersten
Symptome des kommenden Umschwunges sich auf dem Geldmärkte
gezeigt haben und von dort auf den Baumarkt und die Börse Über
griffen. Festzuhalten ist auch die Tatsache, daß die weitere Ent
wicklung der Hochkonjunktur im Jahre 1906 sich gegenüber dem
Vorjahre verlangsamt hat. Eine gewisse Höhe des Zinsfußes muß
die Unternehmungslust beeinträchtigen. Die Spannung auf dem Geld
märkte gibt Zeugnis von dem Mißverhältnis zwischen Kapitalbildung
und Kapitalbedarf. Zieht man in Betracht, daß in diesen Endzeiten
der Hausse die Preise von Rohmaterialien, Halbfabrikaten und Löhne
sehr hohe sind, daß damit ein immer weiter steigender Geldbedarf
bei Fortdauer derselben entstehen muß, so ergibt sich, daß eine
gute industrielle Konjunktur und eine solche Spannung auf dem
Geldmärkte auf die Dauer nicht nebeneinander hergehen können.
Man hat deshalb schon im Herbste 1906 mit Recht in diesen schwie
rigen Geldverhältnissen die Sturmzeichen eines kommenden Kon
junkturwandels erblickt, ohne Rücksicht darauf, daß in dieser Zeit
und noch Monate weiterhin die Beschäftigung der Industrie eine
gute war und die Bestellungen noch reichlich einliefen. Der erste
Abbruch der industriellen Konjunktur erfolgte dann dorten, wo die
teuren Zinssätze erfahrungsgemäß am härtesten empfunden werden,
auf dem Baumarkte. Hier ging die Beschäftigung schon in einer
Zeit zurück, wo von einem allgemeinen Rückgang in der Industrie
noch nichts zu spüren war, und die ersten Ansätze zu einem Rück
gang in den Aufträgen in der Eisenindustrie setzten bei den Trägern
ein, bei den Gütern, deren Bedarfshöhe in erster Linie von den Ver
hältnissen auf dem Baumarkte abhängig ist.
In der gleichen Weise wollen wir nun betrachten, welches die
ersten Symptome bei dem K o nj unk tu r ums ch w un g des
Jahres 1913 gewesen sind. Die Jahre 1910—1912 hatten für
Deutschland, wie wir oben gesehen haben, eine günstige wirtschaft
liche Entwicklung gebracht. Von Ende 1912 ab begannen sich die
allerersten Anzeichen des Umschwunges zu zeigen, welcher dann im
Jahre 1913 auch tatsächlich eintrat. Das oben genannte Buch von
Feiler hat uns diese ganze Periode eingehend geschildert und im
folgenden wird Gelegenheit sein, mancherlei Gebrauch von seinen
Darlegungen zu machen. Von dem Jahre 1912 schreibt er, daß es
zugleich ein Jahr der Hochkonjunktur, aber auch ein Jahr der be
ginnenden Reinigung war. „Die Konjunktur hatte ihren Gipfel er