Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

4.  Die  Prognose  des  Konjunkturwandels.

215

zu  werden.  Mit  dem  Jahre  1913  trat  also  keine  wesentliche  Erleichterung ­
  auf  dem  Geldmärkte  ein.  Die  angespannte  Lage  der
Reichshank  blieb  in  dieser  Zeit  immer  noch  eine  ganz  beträchtliche.
Über  diese  Seite  der  Entwicklung  gibt  die  folgende  Tabelle  Aufschluß.

Es  betrug  bei  der  Reichsbank  in  Millionen  Mark:

Datum

Die  Ar
Wechseln ­


läge  in
Lombards ­


Beide  (1-2)
Zusammen

Sonstige  täglich ­
  fälligeVerbindlichkeit.


Die  Inanspruchnahme ­

(3-4)

Der  Metall-  |
bestand

Der  Notenumlauf ­


DasVerhältnis
derNoten  und
sonst,  täglich
fällig.Verbindlichkeit.
  zum
Metallbestand

1

2

3

4

5

6

7

8

15.  -3.11

906

76

982

766

216

1172

1398

54,2

15.  3.12

1053

91

1144

852

292

1237

1528

52,0

15.  5.12

1021

79

1100

709

391

1264

1618

54,3

15.  7.12

1088

73

1155

703

452

1282

1740

52,5

15.  9.12

1207

57

1264

829

435

1248

1669

49.9

15  11.12

1401

82

1483

720

763

1127

1865

43,6

14.12.12

1506

83

1589

678

911

1038

1939

39,7

15.  3.13

1206

90

1296

714

582

1217

1775

48,9

15.  5.13

1143

106

1249

665

584

1303

1850

51,8

15.  7.13

1083

77

1160

690

470

1421

1934

54,2

15.  9.13

934

77

1011

724

287

1445

1837

56,4

15.11.13

897

57

964

677

287

1507

1928

57,8

15.12.13

871

77

948

697

251

1485

1929

56,5

Man  sieht,  wie  sich  unter  dem  Einfluß  der  politisch  unruhigen
Lage  am  Ende  des  Jahres  1912  das  Deckungsverhältnis  der  Reichsbank ­
  wesentlich  verschlechterte  und  erst  vom  Mai  1913  ab  wieder
eine  günstigere  Entwicklung  nimmt.  Diese  Besserung  der  Lage  hing
damals  vor  allem  damit  zusammen,  daß  es  in  dieser  Zeit  der  Reichsbank ­
  gelungen  war,  ihren  Goldbestand  ganz  erheblich  zu  erhöhen.
Demgegenüber  muß  aber  doch  darauf  geachtet  werden,  daß  trotz  der
Besserung  des  Deckungsverhältnisses  auch  in  dieser  Zeit  der  Notenumlauf ­
  im  ganzen  Jahre  1913  keine  Abnahme  erfahren  hat.  Besonders
bedeutsam  ist  die  Entwicklung  des  Betrages,  um  welchen  die  Summe
der  Wechsel-  und  Lombardkredite  über  den  Betrag  der  Depositen
(vgl.  Kolonne  5)  hinausging,  und  aus  deren  Differenz  sich  die  reine
Inanspruchnahme  der  Reichsbank  durch  Private  ergibt.  Die  Tabelle
zeigt,  welch  gewaltige  Zunahme  diese  Inanspruchnahme  in  dem
letzten  Viertel  des  Jahres  1912  erfahren  hat.  Man  hat  in  dieser  Zeit
mit  Recht  von  einer  Geldklemme  gesprochen.  Hat  doch  diese  Entwicklung ­
  auch  dazu  geführt,  daß  von  seiten  mancher  Banken  der
Industrie  und  dem  Handel  nicht  unerhebliche  Kredite  gekündigt
worden  sind.  Wenn  dabei  die  Reichsbank  nicht,  wie  im  Jahre  1907
            
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