Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

4.  Die  Prognose  des  Konjunkturwandels.

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scheinungen  und  Wandlungen  am  Geldmärkte  die  allerentschiedenste
Bedeutung  zukommt.
Der  Rückgang  der  wirtschaftlichen  Konjunktur  ist  also  auf  organischem ­
  Wege  zu  erklären,  d.  h.  er  entspringt  Ursachen,  die  im
Wesen  der  heutigen  Wirtschaftsordnung  liegen.  Dabei  sei  es  an  dieser
Stelle  dahingestellt,  eine  Frage,  welche  später  noch  zu  besprechen
sein  wird,  ob  in  einer  ganz  anders  gearteten  Wirtschaftsordnung,  z.  B.
einer  solchen,  wie  sie  dem  Sozialismus  vorschwebt,  ein  gleichmäßigerer ­
  Ablauf  des  Wirtschaftslebens  möglich  wäre.
Wenn  es  also  in  diesem  Sinne  immerhin  recht  brauchbare  Mittel
und  Wege  gibt,  um  schon  in  einem  Zeitpunkte  das  Herannahen  eines
wirtschaftlichen  Rückganges  vorauszusagen,  wo  in  der  Industrie  noch
gar  nichts  davon  zu  spüren  ist,  so  hängt  dies  in  erster  Linie  damit
zusammen,  daß  dieser  Konjunkturrückgang  aus  den  Eigentümlichkeiten ­
  der  heutigen  Wirtschaftsordnung  heraus  zu  erklären  ist.
Ganz  anders  liegen  dagegen  die  Verhältnisse  in  dem  umgekehrten
Falle,  wenn  es  sich  um  den  Wiederaufstieg  des  Wirtschaftslebens ­
  aus  dem  Zustande  der  Depression  handelt.  Bei  der  Betrachtung ­
  dieser  Entwicklung  können  wir  uns  wesentlich  kürzer  fassen.
Einmal  besteht  hier  weder  vom  Standpunkte  des  einzelnen,  noch  von
demjenigen  der  Gesamtheit  aus  betrachtet,  das  gleiche  Bedürfnis
nach  einer  Prognose  wie  dort,  wo  es  mit  der  Konjunktur  bergab  geht.
Von  anderen  Gründen,  die  in  der  Natur  der  Sache  liegen,  abgesehen,
ist  dies  schon  deshalb  nicht  der  Fall,  weil  sich  ein  Wiederaufstieg
der  Konjunktur,  in  der  Regel  wenigstens,  viel  langsamer  zu  vollziehen
pflegt,  als  ein  Konjunkturrückgang.
Ganz  besonders  wichtig  aber  ist  auch  die  Tatsache,  daß  sich  bei
dem  Wiederaufstieg  der  Konjunktur  aus  dem  Zustand  der  Depression
niemals  mit  dem  gleichen  Grade  von  Wahrscheinlichkeit  eine  Prognose ­
  geben  läßt,  wie  in  dem  umgekehrten  Falle.
Bei  einem  gewissen  Zustande  des  Geldmarktes  ist  eben,  wie  wir
gesehen  haben,  eine  Weiterdauer  der  Hochkonjunktur  unmöglich,  hier
muß  sie  zum  Stillstand  kommen.  Es  ist  dagegen  umgekehrt  keineswegs ­
  gesagt,  daß,  wenn  im  Zustand  der  wirtschaftlichen  Depression
sich  die  Verhältnisse  auf  dem  Geldmärkte  günstiger  gestalten,  wenn
die  Noten-  und  Kreditbanken  liquider  werden  und  der  Zinsfuß  ebenfalls ­
  ein  niedrigerer  ist,  daß  es  dann  zu  einem  neuen  Aufschwung
kommen  muß.  Das  kann,  muß  aber  nicht  der  Fall  sein.  Man  kann
nnter  solchen  Verhältnissen  höchstens  sagen,  daß  die  Lage  auf  dem
Geldmärkte  eine  solche  ist,  daß  von  hier  aus  einem  neuen  Aufschwung ­
  keine  Hindernisse  entgegenstehen.  Ob  dann  ein  solcher
Aufschwung  auch  wirklich  einsetzt,  hängt  aber  dann  auch  noch  von
            
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