Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

228  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

war  die  Ausfuhr  in  den  Jahren  1908—1909  wesentlich  geringer  als
im  Jahre  1907,  was  in  erster  Linie  mit  dem  internationalen  Charakter
dieser  Depressionsperiode  zusammenhing.  Anders  lagen  die  Verhältnisse ­
  wieder  in  dem  Jahre  1913,  das  eine  erhebliche  Zunahme  in
der  Ausfuhr  von  Fabrikaten  gegenüber  dem  Vorjahre  zeigt.  Diese  Steigerung ­
  in  der  Höhe  der  Ausfuhr  ist  also  keine  Erscheinung,  welche
in  der  Depression  mit  irgendwelcher  Regelmäßigkeit  eintritt.  Dafür
sind  die  Verhältnisse,  welche  darauf  einwirken,  viel  zu  verschiedenartige. ­

Wir  haben  oben  gesehen,  daß  auf  diese  Weise  die  Ausfuhr  in
den  Zeiten  der  Depression  durch  den  in  dieser  Zeit  erfolgenden  Preisrückgang ­
  eine  Steigerung  erfährt,  daß  dieser  Einfluß  aber  dann  ausbleiben
  muß,  wenn  der  Niedergang  der  Konjunktur  und  damit  der
Preisabbau  international  ist.  Aber  davon  ganz  abgesehen,  liegt  es
auf  der  Hand,  daß  jeder  Preisrückgang  als  solcher,  wie  er  ja  in  jeder
Depressionsperiode  auftritt,  die  Tendenz  in  sich  birgt,  allenthalben,
im  Inland  und  Ausland,  belebend  auf  die  Nachfrage  zu  wirken.
Inwieweit,  und  innerhalb  welcher  Zeit,  sich  dann  eine  solche  Tendenz
auch  wirklich  durchzusetzen  vermag,  das  hängt  dann  von  den  allerverschiedensten ­
  Faktoren  ab.  In  sehr  vielen  Fällen  wird  auch  dieser
Preisrückgang  nur  stark  genug  sein  können,  den  weiteren  Rückgang
in  der  Nachfrage,  welcher  in  den  Zeiten  der  Depression  mit  der
Abnahme  der  Gewinne,  dem  Rückgang  der  Löhne,  der  Zunahme  der
Arbeitslosigkeit,  eintritt,  mehr  oder  weniger  zu  kompensieren.  Immerhin ­
  wird  man  diesem  Preisrückgänge  also  nicht  nur  für  den  Außenhandel, ­
  sondern  auch  für  die  Entwicklung  auf  dem  inneren  Markte
eine  gewisse  Bedeutung  dafür  zuerkennen  müssen,  in  welchem  Umfange ­
  während  der  Depression  die  Nachfrage  auf  dein.  Gütermarkte
hinter  der  Leistungsfähigkeit  der  Industrie  zurückbleibt,  und  in
welchem  Umfange  damit  doch  ein  Faktor  ausgelöst  wird,  welcher
wenigstens  innerhalb  gewisser  Grenzen  neu  belebend  auf  die  Nachfrage ­
  einwirken  kann.
Es  sind  dann  ferner  auch  vor  allem  von  außen  kommende
Faktoren,  die  unter  Umständen  imstande  sind,  einen  neuen  Aufschwung ­
  im  Wirtschaftsleben  vorbereiten  zu  helfen  und  einzuleiten.
Hierher  gehören  erfahrungsgemäß,  wie  wir  schon  oben  gesehen  haben
(Tabelle  S.  47),  vor  allem  günstige  Ernten,  weil  mit  diesen  die  Kaufkraft ­
  der  ländlichen  Bevölkerung  steigt,  und  mit  dem  Steigen  dieser
Kaufkraft  auch  ein  belebender  Einfluß  auf  Handel  und  Industrie  ausgelöst ­
  wird.  In  welchem  Maße  das  der  Fall  ist,  hängt  in  hohem  Umfange ­
  davon  ab,  welche  Rolle  die  Landwirtschaft  noch  in  dem  betreffenden ­
  Lande  spielt.  Je  mehr  dieses  Land  zum  Industrie-  und
            
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