Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

244  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

junktur  vollzieht  sich  in  erster  Linie  mit  all  den  Mitteln,  welche
diesen  zu  Gebote  stehen,  einen  bestimmten  Einfluß  auf  den  Geldmarkt ­
  auszuüben  und  damit  die  Marktverhältnisse  und  vor  allem  die
Produktion  mittelbar  zu  beeinflussen.  Wir  haben  ja  oben  eingehend
kennengelernt,  in  welcher  Weise  dies  aus  einer  Art  von  Selbsthilfe
heraus  während  einer  ganz  bestimmten  Konjunkturlage  geschieht,
vor  allem  auf  dem  Höhepunkt  der  Konjunktur  und  bei  dem  Niedergange ­
  derselben  und  wie  sich  daraus  ganz  bestimmte  Einwirkungen
auf  das  ganze  Wirtschaftsleben  ergeben.
Bei  all  den  Maßnahmen,  welche  wir  in  diesem  Zusammenhänge
oben  kennengelernt  haben,  hat  es  sich  nur  um  bestimmte  Handlungen
und  Vorgänge  gehandelt,  die  aus  einer  Art  von  Selbsthilfe  heraus,
vielfach  unter  dem  Zwang  der  Verhältnisse  bei  einer  bestimmten
Konjunkturlage  zur  Anwendung  kamen,  keineswegs  um  eine  Konjunkturpolitik ­
  in  dem  Sinne  einer  bestimmten  planmäßigen  Beeinflussung ­
  der  Wirtschaftslage.  Von  diesen  letzteren  Maßnahmen  soll
jetzt  die  Rede  sein.  In  der  Hauptsache  handelt  es  sich  dabei  um
solche,  welche  geeignet  sind  und  den  Zweck  haben,  irgendwelchen
Ausschreitungen,  vor  allem  auch  solchen  spekulativer  Natur,  während
der  Hochkonjunktur  vorzubeugen.  Wenden  wir  uns  zunächst  den
Kreditbanken  zu.
Nach  der  einen  Seite  hin  üben  hier  die  Großbanken  bereits  einen
gewissen  Einfluß  durch  die  Auffassung  aus,  welche  sie  in  ihren
Geschäftsberichten  'und  sonstigen  Mitteilungen  über  den
weiteren  Verlauf  der  Konjunktur  bekunden.  Dank  der  engen  Verknüpfung ­
  unserer  großen  Banken  mit  allen  Zweigen  unseres  Wirtschaftslebens, ­
  infolge  der  großen  und  maßgebenden  Stellung,  welche
sie  allenthalben  darin  spielen,  werden  diese  Berichte  nicht  nur
mit  sehr  großer  Aufmerksamkeit  verfolgt,  die  Bankleitungen
sind  vielmehr  aus  diesen  Gründen  auch  schon  sehr  frühe
imstande,  sich  ein  Urteil  über  die  Marktlage  und  über  den  weiteren
Verlauf  der  Konjunktur  bilden  zu  können.  Das  ist  um  so  eher  der
Fall,  als  ja,  wie  wir  oben  gesehen  haben,  die  hauptsächlichsten
Symptome  einer  bevorstehenden  Wandlung  der  Konjunktur  sich  auf
dem  Geldmärkte,  der  ureigensten  Domäne  der  Banken,  zu  zeigen
pflegen.
Schon  weiter  oben  sind  ja  die  Worte  wiedergegeben  worden,
mit  denen  die  deutsche  Bank  in  ihrem  Geschäftsbericht  für  das  Jahr
1906  auf  Grund  der  Verhältnisse  am  Geldmärkte  auf  den  kommenden
Konjunkturumschwung  hingewiesen  hat,  aber  auch  schon  in  ihrem
Bericht  für  das  Vorjahr  fanden  sich  Bemerkungen,  welche  nach
der  gleichen  Richtung  hin  tendierten.  Wir  haben  ja  auch  bereits
            
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