Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

248  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

Warenpreise.  Wenn  die  Bank  in  glänzenden  Zeiten  den  Schuldnern
nachlief,  dann  darf  sie  den  Fehler  nicht  dadurch  gut  machen,  daß
sie  in  schlechten  Zeiten  von  ihren  Geschäftsfreunden  überhaupt
nichts  mehr  wissen  will,  und  selbst  an  guten  Diskonten  „mäkelt“...
Viel  eher  halte  die  Bank  auf  Verminderung  der  Kredite  in  Zeiten
des  Hochgewinnes  und  erziehe  die  Kunden  zur  Schuldentilgung,  wie
dies  viele  Kreditbanken  in  vorbildlicher  Weise  tun.  Die  Banken
haben  kein  Interesse  an  der  bedingungslosen  Geschäftsausdehnung,
wohl  aber  an  der  Festigung  ihrer  Debitoren 1 ).“
Soweit  in  dieser  Hinsicht  die  Kreditbanken  einen  Einfluß  auszuüben ­
  vermögen,  wird  er  in  dem  Maße  stärker  und  erfolgreicher  sein,
als  in  Gewerbe  und  Handel  die  Aktiengesellschaft  gegenüber  der
Einzelunternehmung  als  Organisationsform  zunimmt.  Bei  der  Aktiengesellschaft ­
  liegen  die  ganzen  Verhältnisse  weit  offener  zutage  als
bei  der  Einzelunternehmung,  dort  läßt  sich  also  auch  eine  eventuelle
Kontrolle  von  seiten  der  Banken  wesentlich  leichter  durchführen.
Man  muß  ja  nur  im  Auge  haben,  welch  enge  persönliche  Beziehungen
bereits  durch  das  System  des  Aufsichtsrates  zwischen  den  Banken
und  vielen  Aktiengesellschaften  bestehen,  und  daß  schon  auf  diesem
Wege  eine  Einwirkung  leicht  möglich  ist  und  sicher  auch  tatsächlich
oft  genug  vorkommt,  wenn  es  sich  dabei  auch  um  Vorgänge  handelt,
deren  Kenntnis  sich  der  Öffentlichkeit  zu  entziehen  pflegt.
Das  Verhältnis  der  Kreditbanken  zur  Konjunkturentwicklung  und
die  Möglichkeit  einer  positiven  Politik,  vor  allem  in  den  Zeiten  der
Hochkonjunktur,  ist  also  ein  ähnliches  wie  wir  es  oben  bei  den  Kartellen ­
  kennengelernt  haben.  Beide  Male  ist  ganz  unstreitig  ein  solcher
Einfluß  in  der  Hochkonjunktur  möglich,  man  wird  auch  annehmen
dürfen,  daß  dieser  Einfluß  in  den  letzten  Jahren  stärker  und  erfolgreicher ­
  gewesen  ist  wie  in  früheren  Zeiten,  daß  Kreditbanken  sowohl
wie  Kartelle,  also  aus  früher  begangenen  Fehlern  gelernt  haben  und
daß  damit  auch  die  Tatsache  zusammenhängt,  daß  in  neuerer  Zeit
die  Wellenlinie  der  Konjunkturbewegung  flacher  verlaufen  ist  als
früher.  Beide  Male  wird  man  aber  auch  sagen  müssen,  daß  der
mäßigende  Einfluß  während  der  Hochkonjunktur,  auf  welchen  es  ja  in
allererster  Linie  ankommt,  auch  bei  den  neuesten  Hausseperioden  ein
noch  stärkerer  hätte  sein  können  als  es  der  Fall  gewesen  ist.  In
dem  Maße,  in  welchem  in  Zukunft  Kreditbanken  und  Kartelle  noch
mehr  als  bisher  in  diesen  wirtschaftlichen  Perioden  einen  mäßigenden
Einfluß  ausüben  werden,  in  dem  Maße,  in  dem  sie  dazu  kommen,
noch  ausgeprägter  und  entschiedener  privatwirtschaftliche  Interessen

D  Schulze-Gävernitz,  a.  a.  0.  S.54.
            
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