5. Die Beeinflussung von Konjunktur und Konjunkfcurwandel. 263
Da ja die Prämienzahlung grundsätzlich in gleicher Weise in allen
Perioden der Konjunktur zu leisten ist, die Verluste jedoch in weit
größerem Maße in den Zeiten der absteigenden Konjunktur als
während ihres Aufstieges eintreten, so wirkt eine solche Kredit
versicherung also ebenfalls nach der Richtung hin, daß in den
Zeiten der wirtschaftlichen Prosperität (Reserven aufgespeichert
werden, daß damit die hier vorhandene Kaufkraft gemindert wird,
während diese so angesammelten Reserven dann in der Hauptsache
dazu dienen müssen, die beim Konjunkturumschwung eintretenden
Schadenfälle zu decken, also in dieser Zeit steigernd auf die Kauf
kraft zu wirken.
Der letzte Punkt, welcher in diesem Zusammenhänge noch zu
besprechen ist, betrifft die Tätigkeit von Staat und Ge
meinden als Auftraggeber, Handel und Industrie gegenüber. Auch
davon war schon oben einmal die Rede gewesen, als im Zusammen
hang mit dem Erlaß des preußischen Ministers des Innern von den
Aufgaben gesprochen wurde, welche Staat und Gemeinden in den
Zeiten} einer rückläufigen Konjunktur haben. Sie sollen hier durch
Aufträge Arbeitsgelegenheit schaffen, um damit einem Umsichgreifen
der Arbeitslosigkeit vorzubeugen.
Man kann sich jedoch ein solches Vorgehen der öffentlichen
Körperschaften noch weit umfassender denken, als es in diesem
Erlaß zum Ausdruck kommt, der sich ja ganz allein auf die Be
kämpfung der Arbeitslosigkeit bei dem Rückgang der Konjunktur
bezog. Man kann daran denken, daß alle diese öffentlichen Körper
schaften, deren Aufträge an Handel und Gewerbe jährlich in die
Milliarden gehen, bewußt, so weit es überhaupt mit der Natur des
betreffenden Bedarfes vereinbar ist, mit ihren Aufträgen und Be
stellungen während der Hochkonjunktur zurückhalten, um sie dann
erst mit dem Rückgänge der Konjunktur und während der Depression
an den Markt zu bringen. Auch in diesem Sinne liegen keineswegs
unbeträchtliche Möglichkeiten vor, die Höhe- und die Tiefpunkte der
Konjunkturkurve einander anzunähern, die Hochkonjunktur infolge
der dann geringeren öffentlichen Aufträge nicht so stark ansteigen
zu lassen, wie es sonst der Fall gewesen wäre, und dann mit diesen
Aufträgen bei dem Rückgänge der Konjunktur und während der
Depression die Nachfrage auf dem Gütermarkte verstärken zu helfen.
An sich gibt es manche Überlegungen, die dafür sprechen, daß
es für die öffentlichen Körperschaften auch vorteilhaft ist, ihre
Aufträge während der Depression hinauszugeben. Zunächst werden
sic in dieser Periode des Wirtschaftslebens im allgemeinen wesent
lich billiger einkaufen können, wie während der Hochkonjunktur.