Full text: Einführung in das Studium der Konjunktur

5. Die Beeinflussung von Konjunktur und Konjunkturwandel. 265 
Man braucht sich nur die Frage vorzulegen, woher die be 
treffenden Unternehmungen die Mittel erhalten, um solche lang 
fristigen Kredite an ihre Kunden geben zu können, so sieht man 
ohne weiteres, wie ungünstig ein solches Verfahren auf den Ab 
lauf der Konjunktur einwirken kann. Denn diese Unternehmungen 
können diese Kredite nur gewähren, wenigstens in der Regel, wenn 
sie ihrerseits selbst dafür den Kapital- und Geldmarkt in Anspruch 
nehmen, vor allem auch dadurch, daß sie ihren Bankkredit in den 
verschiedensten Formen ausnützen. Bestellungen öffentlicher 
Körperschaften, welche sich während der Hochkonjunktur auf solche 
Weise häufen, bedeuten also einmal eine nicht ungefährliche Be 
lastung des Geldmarktes und eine nicht ungefährliche Ausdehnung 
der Kreditgewährung, sie haben auch vielmehr die Tendenz, als 
zusätzliche Nachfrage steigernd auf die Kaufkraft und damit stimu 
lierend auf die Produktion während der Hochkonjunktur ein 
zuwirken. 
Alle diese Wege, welche wir bis jetzt als gangbar für eine 
Konjunkturpolitik im Sinne einer planmäßigen bewußten Beein 
flussung des Koniunkturwandels, vor allem während der Hausse, 
betrachtet haben, bieten nur eine Politik der kleinen Mittel. 
Es befindet sich darunter keines, das irgendwie imstande wäre, 
die Schwankungen in der Konjunktur überhaupt zu beseitigen. Aber 
man darf auch die Politik der kleinen Mittel nicht verachten und 
ihre günstige Wirkung auf die Gesamtentwicklung des Wirtschafts 
lebens nicht, zu gering einschätzen. Ist doch schon sehr viel in dieser 
Hinsicht gewonnen, wenn überhaupt die Wellenlinie des Konjunktur 
ablauf es eine flachere wird und wenn damit diese schroffen, für 
das Wirtschaftsleben so unheilvollen Gegensätze von Hausse und 
Krise zum Verschwinden kommen und einem gleichmäßigeren 
ruhigeren Ablauf der Konjunktur Platz machen. Wir haben ferner 
gesehen, daß die Entwicklung in dem letzten Jahrzehnt vor dem 
Kriege auch tatsächlich nach dieser Richtung hin gegangen ist 
und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß an dieser günstigeren 
Entwicklung die eben dargelegten Maßnahmen und Fairtoren, Kar 
telle, Bankenpolitik, Dividendenpolitik usw., bereits zu einem ge 
wissen Teile mitgewirkt haben. Es kann aber auch ebensowenig 
einem Zweifel unterliegen, daß nach dieser Richtung hin noch weit 
größere Erfolge erzielt werden können, wenn sich in Zukunft ein 
welche solche Klagen bekannt werden, das gleiche gilt auch vom Staat und pri 
vaten Kunden. Vgl. dazu die Zuschriften an die Frankfurter Zeitung, „Die 
Debitoren-Konfen der Industrie-Unternehmungen vom 7. und 10. Juli und 
1. Oktober 1908.
	        
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