2. Die Konjunktur während und nach dem Kriege.
Käufer aufgetretener Staaten begann in immer stärkerem Maße
als Einfuhrzoll wirksam zu werden, verteuerte für diese Länder den
Warenbezug und damit begannen sich vor allem in Amerika unverkäufliche
Warenbestände zu stauen. Mit dem Jahre 1921 begann
dann in einer Reihe von Staaten die Inflation relativ abzunehmen,
in anderen Staaten, wie vor allem in England und in den Vereinigten
Staaten, trat eine erhebliche Verminderung der Umlaufsmittel
ein, so daß man für diese Zeit schon von einer Weltdeflation
gesprochen hat. Damit mußte eine wesentliche Einschrumpfung
der vorher so stark aufgeblähten Kaufkraft auf allen
Märkten eintreten.
Als in der ersten Hälfte des Jahres 1920 in den Rohstoffstaaten
diese ersten Absatzstockungen eintraten, gelang es auf den verschiedensten
Wegen durch Einschränkung der Produktion, durch
Zurückhaltung der Waren von den Märkten mit Hilfe umfassender
Bankkredite, einen erheblichen Preisrückgang und damit ein breiteres
Umsichgreifen dieser Verschlechterung der Konjunktur zeitweilig
hintanzuhalten. Es waren das jedoch Hilfsmittel, die nur vorübergehend
Anwendung finden konnten und es war vorauszusehen,
daß sie auf die Dauer nicht imstande waren, die drohende
Krisis hintanzuhalten, wenn es nicht gelang, vor allem die mitteleuropäischen
Staaten kaufkräftiger zu machen. Das zeigte sich, als
zu Ende des Jahres 1920 und in noch stärkerem Maße zu Beginn des
Jahres 1921 die Preise weiter zu sinken begannen und auf einem
Stande anlangten, welcher zum Teil unter demjenigen der Vorkriegszeit
sich befand.
Dieser Preissturz setzte ein, trotzdem, wie die folgende Tabelle
zeigt, die Weltproduktion damals noch wesentlich geringer war, als
vor dem Kriege. Die Kaufkraft war eben noch wesentlich stärker gesunken,
so daß sich solche Gleichgewichtsstörungen zwischen Angebot
und Nachfrage zeigten, welche dann in dem erheblichen Rückgang
der Preise ihren Ausdruck fanden. Hatte doch auch der internationale
Warenverkehr gegenüber der Vorkriegszeit einen ganz
erheblichen Rückgang erfahren, worunter vor allem die Schiffahrt,
die ja während des Krieges ihre Tonnage wesentlich erhöht hatte, bis
heute noch schwer zu leiden hat. (S. Tabelle S. 66 oben.)
Die zweite Zusammenstellung 1 ) gibt ein Bild von der Entwicklung
des Gesamtwarenpreisniveaus und der Lage auf dem Arbeitsmarkte
in einigen wichtigen Staaten.
') Zusammengestellt nach den Angaben in „Wirtschaft und Statistik
und in dem „Reichsarbeitsblatt“.