Object : München als Industriestadt

der  Erfinder  der  Autotypie,  der  frühere  Kupferstecher  Georg
Meisenbach,  ein  Münchener  Bürgersohn.  Wie  die  Lithographie ­
  Senefelders  so  hat  auch  diese  Münchener  Erfindung
seit  1881  ihren  Siegeszug  durch  die  Welt  angetreten.  Denn  die
durch  die  Erfindung  und  Entwicklung  der  Autotypie  erfolgte
umfassende  Popularisierung  des  Bildes,  die  Erfindung  der
Bildtype  für  den  Buchdruck,  die  Erfindung  der  modernen
Bildschrift  ist  eine  Errungenschaft,  welche  für  die  Entwicklung
unseres  Kulturlebens  gar  nicht  hoch  genug  angeschlagen  werden
kann.  Die  Autotypie,  welche  auf  allen  Gebieten  der  Illustration ­
  eine  gewaltige  Umwälzung  hervorgerufen  hat,  entwickelte ­
  sich  inzwischen  zu  einer  Weltindustrie.  Dem  Holzschnitt ­
  und  der  Lithographie  wurde  ein  großer  Teil  ihrer  bisherigen ­
  Arbeitsfelder  entrissen,  andrerseits  aber  die  Schmükkung
  der  Bücher  und  Zeitschriften  mit  bildlichen  Darstellungen
in  ganz  außerordentlicher  Weise  ausgedehnt.  In  den  letzten
10  Jahren  ist  es  Deutschland  gelungen,  eine  führende  Stellung
nicht  nur  auf  allen  Gebieten  des  Buchgewerbes,  sondern  speziell
der  Autotypie  wieder  zu  erlangen,  nachdem  die  Vereinigten
Staaten  längere  Zeit  eine  hervorragende  Position  in  der  technischen ­
  Vollendung  der  Autotypie  inne  hatten.
Die  Firma  Meisenbach  Riffarth  &  Co.  beschäftigt  in
München  167  Personen,  worunter  sich  36  weibliche  und  9
jugendliche  (bis  zu  16  Jahren)  befinden.  Im  Jahre  1911  hat
die  Firma  223156  Mark  allein  an  Löhne  ausgezahlt,  welche
im  Tarifvertrag  des  deutschen  Buchdruckerverbandes  festgelegt
sind.  Die  Lohnhöhen  schwanken  auch  hier  entsprechend  der
Größe  des  Betriebes  und  entsprechend  der  Qualitätsarbeit,
welche  fast  ausschließlich  auf  männlicher  Tätigkeit  beruht,
zwischen  20—46  Mark  für  alle  graphischen  Arbeiter,  der  Durchschnittswochenlohn ­
  beträgt  36  Mark.  Die  Länge  der  Arbeitszeit ­
  ist  der  Leistungsfähigkeit  der  Arbeiter  angepaßt  und  beträgt ­
  nicht  mehr  als  8—9  Stunden,  da  um  5  Uhr  geschlossen
wird.  Von  Schmädel  sagte  einmal  in  einem  Vortrage,  es  sei
charakteristisch  für  den  fortschrittlichen  Geist,  der  in  dieser
Industrie  wirksam  tätig  ist,  daß  sich  sowohl  Arbeitgeber  wie
Arbeitnehmer  zu  geschlossenen  Organisationen  entwickelt  haben, ­
  die  durch  gegenseitige  Verträge  ein  die  gemeinsame  Ziele
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