Metadata: 10 Jahre Wiederaufbau

DAS TECHNISCHE VERSUCHS- UND MATERIALPRÜFUNGS- 
WESEN 
Von Ing. Herbert Conrad, Sektionsrat am Technischen Versuchsamt in Wien. 
Als dem Zusammenbruch der Monarchie im Jahre 1918 
der Verlust großer Industriegebiete und der Meeresküste 
'olgte, schien das Schicksal so mancher technischen 
Prüf- und Forschungsstätte besiegelt zu sein. Hatte die 
KAriegführung den Technischen Versuchsanstalten noch 
snige besondere Aufgaben gestellt, so war nunmehr der 
Faden abgeschnitten und das Gespenst des Abbaues 
tauchte auf. Wohl sind auch heute die Folgen des Krieges 
und der Verkleinerung des Staatsgebietes nicht über- 
wunden. Aber die dem Bundesstaat Österreich verblie- 
benen technischen Versuchsanstalten haben 
zroße Lebenskraft gezeigt, das Bestehende konnte 
arhalten werden und neue Institute sind zugewachsen. 
Das technische Versuchswesen ist in Österreich in 
einen besonderen Zweig der Bundesverwaltung zu- 
z3ammengefaßt, und es braucht nur der Name Wilhelm 
Exner genannt zu werden, um die stetige und uner- 
müdliche Arbeit der Verwaltung auf diesem Gebiete in 
Erinnerung zu rufen. Exner hat schon im Jahre 1910 
durch das Gesetz vom 9. September jene Grundlage 
geschaffen, auf der ein wirksamer Einfluß auf das Ver- 
suchswesen ausgeübt werden konnte. Denn die „Autorisa- 
tion” wird nur solchen Anstalten verliehen, die durchaus 
auf wissenschaftlicher Höhe hinsichtlich Qualifikation 
der Leitung und Vollständigkeit der Einrichtung stehen. 
Eine Darstellung des derzeitigen Standes des Techni- 
schen Versuchswesens in Österreich und seiner Ent- 
wicklung im Laufe des Dezenniums 1918--1928 muß sich bei 
dem Umfang des Gebietes nur auf Streiflichter be- 
Schränken. Die Zahl der autorisierten Versuchsanstalten 
beträgt derzeit 35. Je nach der Zugehörigkeit und 
Gründungsgeschichte sind sie Technischen Hochschulen 
der gewerblichen Schulen: angegliedert, oder es sind 
Vereinsgründungen oder Privatunternehmungen, letztere 
meist am Sitz einer Industrie. Allen gemeinsam ist die 
prüfende und begutachtende Tätigkeit gegenüber An- 
trägen aus der Praxis nach feststehenden Tarifen, die 
auf eine einheitliche Grundlage gestellt sind. Die aus- 
gestellten Zeugnisse haben den Charakter „öffent- 
licher Urkunden” und können bei Streitfällen vor Gericht 
ein Sachverständigengutachten ersetzen. 
Die Untersuchung und Prüfung des Werkstoffes — 
Stahl und Eisen, Metalle, Holz, Steine, Zement — bildet 
eine Grundlage für jede rationelle Bautätigkeit im Hoch- 
Dau, Straßenbau und Maschinenbau. Dieser Zweig des 
:echnischen Prüfungswesens hat sich als erster entwickelt 
and große Anstalten mit umfangreicher Einrichtung 
wurden geschaffen. Unter ihnen nimmt die „Techni- 
sche Versuchsanstalt der Technischen Hoch- 
Schule” in Wien einen hohen Rang ein. Von Tet- 
majer im Jahre 1901 gegründet, hat sich die Anstalt, 
der auch. wichtige Lehraufgaben obliegen, fortgesetzt 
zünstig entwickelt. In den Laboratorien können auf Zer- 
teißmaschinen und Druckpressen ganze Konstruktions- 
teile, wie Träger, Säulen und Rohre bis zum Bruche 
belastet werden. Hier wurden zum Beispiel die Draht- 
Seile zerrissen. welche auf der Raxbahn den Wagen 
zu tragen und aufzuziehen haben. Im Auftrage des Eisen- 
yetonausschusses des Österreichischen Ingenieur- und 
\rchitektenvereines wurden und werden Bauteile aus 
isenbeton systematisch untersucht (Abb. I und 3). 
Nenn auch die theoretische Berechnung des Eisen- 
’etons schon weit fortgeschritten ist, so entscheidet auf 
liesem Gebiete doch in letzter Linie der Versuch. Nur 
lurch Versuche können Einzelfragen. geklärt und kann 
lie Einsicht des Konstrukteurs so gefördert werden, wie 
»s für die Sicherheit dieser Bauten notwendig ist. 
Die älteste Prüfungsanstalt Österreichs für Bau- und 
Werkstoffe ist die im Jahre 1887 gegründete Versuchs- 
ınstalt für Bau- und. Maschinenmaterial am 
Fechnologischen Gewerbemuseum in Wien. 
n der Zeit von 10914 bis 1028 stieg hier die Zahl der 
>rüfanträge von 526 auf 643 pro Jahr, womit trotz des 
on 15 auf I0O Mann verringerten Personalstandes der 
Jöchststand der Vorkriegszeit nahezu wieder erreicht 
arscheint. Das Technologische Gewerbemuseum enthält 
ıoch eine ganze Reihe von Versuchsanstalten, von 
ienen später die Rede sein wird. Die Versuchsanstalt 
ür Bau- und Maschinenmaterial steht hinsichtlich Größe 
ınd Bereich der Maschinen dem Institut an der Tech- 
Abb. 1? Technische Versuchsanstalt der Technischen Hochschule 
Wien. Prüfung eines FEisenbeton-Brückengelenkes
	        
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