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Rechenpfennig oder ein Goldstück ist, bleibt sich für diesen Zweck vollständig
gleich... Wenn das Metallgeld schon im Verkehr der Wirtschaftskommune
mit ihren Mitgliedern nicht als Geld fungiert, sondern als verkleidete Arbeits-
marke, so kommt es noch weniger zu seiner Geldfunktion im Austausch
zwischen den verschiedenen Wirtschaftskommunen. Hier ist das Metallgeld
total überflüssig. In der Tat wird eine bloße Buchführung hinreichen, die
den Austausch von Produkten gleicher Arbeit gegen Produkte gleicher Arbeit
ziel einfacher vollzieht, wenn sie mit dem natürlichen Maßstab der Arbeit
— der Zeit, der Arbeitsstunde als Einheit — rechnet, als wenn sie die Arbeits-
stunden erst in Geld übersetzt. Der Austausch ist in Wirklichkeit reiner
Naturalaustausch; alle Mehrforderungen sind leicht und einfach
ausgleichbar durch Anweisungen auf andere Kommunen‘ (S. 327/328).
Die Unterscheidung, die Engels macht, ist dadurch bedeutsam, daß
er das Arbeitsgeld in seiner Eigenschaft als Zahlungsmittel dem Goldstück
völlig gleichstellt, wogegen er die Buchungen nur als Scheinzahlungen, als
verschleierte Naturalwirtschaft ansieht. Allerdings zeigt gerade diese Unter-
scheidung, daß Engels von dem Wahn der Arbeitszeitrechnung als einer
Geldrechnung noch keineswegs befreit ist.
Noch deutlicher tritt die naturalwirtschaftliche Grundlage des Ver-
rechnungswesens bei Bellamy hervor, obwohl das Geld als solches in
der ‚Kreditkarte‘ beibehalten wird: ‚Ein Kredit, der seinem Anteil an
der jährlichen Produktion des Landes entspricht, wird jedem Bürger am An-
fange eines jeden Jahres in der Staatsbuchführung eingeräumt, und eine
Kreditkarte wird ihm ausgestellt, auf Grund welcher er sich aus den öffent-
lichen Warenlagern, die es in jeder Gemeinde gibt, das besorgt, was er
wünscht, und wann er es wünscht ... Die Karte ist auf eine gewisse Anzahl
Dollars ausgestellt. Wir haben das alte Wort behalten, aber nicht die
Sache. Der Ausdruck dient nur als ein algebraisches Zeichen,
am die Werte der verschiedenen Produkte miteinander zu vergleichen . ..
Der Wert der von mir auf Grund dieser Karte entnommenen Gegenstände
wird von dem Beamten gebucht, welcher aus diesen Reihen von Vierecken
den Preis des von mir Bestellten ausschneidet‘‘ (S. 70).
Weiter ist in diesem Zusammenhange Solvays Plan ‚sozialer
Buchungen (Comptabilisme social)‘ zu nennen, Hiernach gibt die Na-
tionalbank den „Transaktionenten . . Rechnungshefte in blanco oder mit
einer bestimmten auf der Creditseite eingetragenen Summe aus‘“; außerdem
„einen Stempel mit Ziffern oder Zeichen, die alle Angaben hinsichtlich seiner
Person feststellen. . , und mit Hilfe dessen er die Ziffern seiner Transaktionen
in dem Heft seiner Korrespondenten einträgt oder löscht‘. Um auch Fern-
zahlungen zu dienen, kann „das Abrechnungssystem auch Credit- und Debet-
marken an Stelle der Stempel anwenden, die der Käufer (bezw. Verkäufer)
aus seinem Heft ablöst und auf das Credit (bezw. Debet) des Verkäufers (bezw,
Käufers) klebt‘ (S. 15). Während „die in den Blankoheften eingetragenen
Transaktionen auf Risiko und Gefahr der Transaktionenten gehen‘, werden
„die in den schon mit einem Creditbetrag versehenen Heften eingetragenen
Transaktionen‘ bis zur Höhe dieses Betrages von der Nationalbank garantiert.
Dafür werden auch die ‚„Kredit-Abrechnungshefte‘“ nur gegen hypothe-
karische Sicherheitsleistung abgegeben. Nach Rückkehr der nicht gebrauch-
ten oder erloschenen Hefte „eröffnet der Hauptrechnungsführer cin Konto