Geld eine Zwangsnachfrage, die genau ebenso groß ist wie der
Vorrat an Waren‘ (S, 117); „die Gegenstände, die das Angebot (von Waren)
vertreten, verderben; sie werden leichter, schlechter, fallen gegenüber den
’rischen Erzeugnissen ständig im Preise ... Das Angebot m u ß also größer,
Aringender werden, in demselben Maße, wie etwa der Verkauf, der Absatz
stockt‘ (S. 176/177). In diesem Sinne geht das Angebot der Ware von der
Ware aus, nicht vom Eigentümer (!); einen Willen läßt die Ware ihrem Eigen-
‚ümer nur in seltenen Ausnahmen und dann noch in beschränktem Maße...
9b der Preis dem Erzeuger Gewinn oder Verlust bringt — einerlei, die Waren
werden angeboten, müssen angeboten werden, und zwar in der Regel sofort.
Darum können wir das Angebot von Waren, d. i. die Nachfrage nach
Geld, mit der Ware selbst als wesenseins ansehen, sie von mensch-
lichen Handlungen unabhängig erklären‘ (S. 178/179).
Umgekehrt ist das Geldangebot, die Warennachirage, von
solchem Zwange befreit. Aus Gold hergestellt, .. widersteht es
siegreich allen Zerstörungskräften der Natur . .. Das Geld, das wir aus
Gold machen, schützt seinen Besitzer vor jedem Stofiverlust (!) ... Der
Besitzer des Goldes kann also die Nachfrage nach
Waren hinausschieben; er kann seinen Willen geltend machen,
‚. den Zeitpunkt, wo er das Geld anbietet, auswählen ... Die Ware be-
fiehlt, duldet keinen Widerspruch, das Gold ist geduldiger Diener seines
Herrn. Dort Zwang, hier Freiheit — und beides vereinigt, Zwang auf
der einen Seite, Freiheit auf der andern, bestimmt
den Preis“ (S. 179/180). Das Ergebnis ist: ‚Unser heutiges Geld ver-
mnittelt der Regel nach den Austausch der Waren nur unter der Bedingung
eines Tributs. Der Profit, der Tribut, der Zins, oder wie man es nennen
mag, ist die allgemeine Voraussetzung des Warenaustausches. Ohne Tribut
kein Tausch... Kann aus irgend einem Grunde das Geld seinen gewohnten
Tribut nicht erheben, so bleiben die Waren liegen, sie verderben, verfaulen,
vergehen (Krise)‘“ (S. 181).
b) Hierzu kommt dann der Gefühlsmetallismus des
‚Schatzbildners‘“, der sich von seinen Goldstücken und Talern
nicht trennen kann, weil sie doch so schön glänzen und so „voll-
wichtig“ in der Hand liegen.
Bendixen macht sich — in einer humoristischen Randbemerkung
zu Knap ps „Staatlicher Theorie des Geldes‘ — über solches „‚psychisches
Wirtschaften‘ lustig: „Wenn Knapp sich einen Apfel kauft, so nimmt
ar 10 Pfg. aus seinem Portemonnaie und sagt: Dieses Stück gilt 10 Pfg., und
la die Obstfrau 10 Pfg. verlangt, so zahle ich damit meine Schuld. — Welch
seelenloses Handeln! Wir schätzen unser Zehnpfennigstück wert, wir haben
28 lieb, wir lassen nur mit Schmerzen von ihm, wir bringen es leise weinend
zum Opfer, nachdem wir das Lustgefühl, den Nickel zu besitzen, mit dem
Lustgefühl, den Apfel zu verspeisen, verglichen und das letztere Lustgefühl
als überwiegend festgestellt haben. Das ist psychisches Wirtschaften,
und das Zehnpfennigstück „gilt‘ nicht nur, sondern es ist ein Gut, ein Kosten-
gut, denn es ist „kostspielig‘‘ und „selten‘“ und sein Wiedererwerb mit Kosten
verbunden, so daß es auch ‚„Sparwert‘“ hat (Wesen, S. 71, Anm.).