Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

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werden, so groß ist die Nachfrage. Und doch muß auch wieder 
eifrig produziert werden; denn sonst gehen die Preise in die Höhe, 
und dann gibt's eine gewaltige Steuererhöhung: „Wenn die Preise 
anziehen, so verbrennt das Währungsamt Geld, und was es ver- 
brennt, ist Nachfrage“ (S. 251). Wie nun aber, wenn Mißernte 
der Viehseuche die Produktion hintanhält? Dann können nur 
antweder die Preise trotzdem tiefgehalten werden, d. h. wer noch 
im Besitze von Waren ist, muß sie opfern, — oder bloß die Reichsten, 
die trotz hoher Steuern noch Zahlungsfähigen, dürfen mehr als 
Käufer auftreten. Die misera plebs hungert, Aber — „die Wirt- 
schaftskrisen, die Arbeitslosigkeit haben wir überwunden“ (S. 251). 
Viererlei Fehler sind hier zu vermerken: 
a) Bei der Enge seines privatwirtschaftlichen Gesichtskreises 
übersieht Gesell anscheinend, daß eine Preissteigerung nicht nur 
aus einer zu starken Vermehrung der Umlaufsmittel, sondern auch 
aus einer — unverschuldeten oder künstlich herbeigeführten — Ver- 
tingerung des am Markt verfügbaren Warenbestandes folgen 
kann. Die Gesellsche Preisstatistik kann im besten Fall nur 
Preise ermitteln, nicht aber zeigen, ob und in welchem Maße die 
Preisverschiebungen im Einzelfalle auf Geld- oder Warenmengen- 
veränderungen zurückgehen. 
b) Ferner rechnet Gesell auch hier wieder ausschließlich 
mit der Spießerideologie des kleinbürgerlichen Hamsters, 
der noch diese Woche möglichst viel einkauft, weil ja Montag 
alles wieder ein paar Pfennige teurer ist, 
„Letzten Sonnabend unterhandelte ich eine Stunde lang‘— so läßt 
Gesell seinen ‚Verkäufer‘ berichten — ‚mit dem Käufer einer Näh- 
naschine, und der Mann konnte sich nicht entschließen , . . Schließlich 
machte ich ihn auf den baldigen Wochenschluß für den Geldkurs aufmerk- 
sam. Das half; . . er sah nach der Uhr, betrachtete seine Geldbriefe und 
vrechnete aus, daß, wenn er noch länger zögerte, er 10 Pfennig 
einbüßen würde. Da ließ er alle Bedenken fallen. 
zahlte und ging‘ (S. 256). 
Man stelle sich hiernach den Betrieb einer Großbank am Sams- 
ag kurz vor Geschäftsschluß vor. Wie dort die Zahlungen sich 
häufen mögen! Und wenn z. B. die A.-E.-G., welche noch ein 
Millionenkreditgeschäft zum alten Wochenkurs telefonisch ab- 
schließen will, die Fernleitung nicht mehr rechtzeitig frei bekommt. — 
wer haftet dann für den entstandenen Schaden? 
c) Gesell ist kein Feind der Sparsamkeit, sondern 
aur der privaten Aufspeicherung von Geld. So haben denn
	        
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