Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

9. Kapitel. 
Die Abschaffung des Gelddarlehens. 
Wie Gesell so sahen wir auch Johannsen gegen die Auf- 
speicherung des Geldes, die Hortung kämpfen. Indes zeigte sich 
ein bemerkenswerter Unterschied der Anschauungen: Gesell läßt 
sich die oberflächliche Feststellung, daß die Geldhortung die Nach- 
[rage am Markt verhindere, als wissenschaftliche Grundlage seiner 
Reformpläne genügen; Johannsen dagegen geht dem Problem 
ernsthaft nach und gelangt zu dem Ergebnis, daß nicht schon das 
bloße Nicht-Ausgeben des Geldes, sondern erst die weitere Ver- 
wendung ein abschließendes Urteil in dieser Frage erlaubt. Und 
zwar müssen da drei Fälle unterschieden werden: die bloße Hor- 
tung, das Vergraben des Geldes; die „Veranlagung in der Ex- 
pansion“, d, h. die Nutzbarmachung zur Förderung der gesell- 
schaftlichen Güterbeschaffung; endlich eine nur auf den privaten 
Vorteil der Einzelwirte abgestellte „Kapitalisierung“, zumal in der 
Form des verzinslichen Darlehens. Diese letzte Verwendung 
2ält Johannsen vom Standpunkt der Gesellschaft aus, deren wirt- 
schaftliche Interessen hier mit denen des Geldbesitzers in Wider- 
spruch geraten, für besonders schädlich. Über ihn hinaus gehen 
in derselben Richtung Proudhon und seine Anhänger, indem sie 
die Frage der Geldabschaffung mit dem Problem der Auf- 
hebung des Zinses gleichsetzen. Nicht die Geldzahlungen 
sollen aufhören, wohl aber seine darlehnsweise Hingabe; „der Zins 
muß sterben!“ 
ı. Die erkenntnismäßige Grundlage dieser Richtung der 
Geldreform bildet jene äußerste Überspannung der privatwirtschaft- 
lichen Warentheorie des Geldes, welche Proudhon „in der Mün- 
zung des Goldes und des Silbers . . den ersten Akt der Konsti- 
tuierung der Werte“ sehen läßt. 
„Die Menschheit geht überall mit unendlicher Stufenfolge zu Werke. 
Nachdem sie begriffen hat, daß die Produkte der Arbeit dem Maß und Verhält- 
ais unterworfen werden müssen, um sie alle gleich tauschfähig zu machen, 
seginnt sie damit, diesen Charakter absoluter Tauschfähigkeit einem beson-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.