Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

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Marxismus, neue Geltung zu verschaffen gesucht; seine Darlegungen sind 
indes, was das Wirtschaftliche angeht, von ebensowenig Sachkenntnis getrübt 
wie die seines Meisters: „Das Geld hat dadurch seine verhängnisvolle Aus- 
nahmestellung, daß es nur in den Tausch, aber gar nicht in Wahrheit 
in den Verbrauch eingeht... Wird darum in der rechten Tauschwirt- 
schaft, wo sich Produkt nur gegen gleichwertiges Produkt tauschen soll, 
allerdings ein Zirkulationsmittel nötig sein, das unserem Geld entspricht und 
wohl auch Geld heißen wird, so wird es doch eine entscheidende Eigenschaft 
unseres Geldes nicht haben können: die Eigenschaft, absoluten Wert 
zu haben und auch dem zum Schaden anderer zu dienen, der es nicht durch 
Arbeit erworben hat... Die Schädlichkeit des heutigen Geldes liegt nicht 
bloß in seiner Verzinslichkeit, also seinem Wachstum (!), sondern schon in 
seiner Unverbrauchbarkeit (!), also in seinem Bleiben, seinem Nichtgeringer- 
werden und seinem Nicht-im-Konsum-Verschwinden ... In der freien Tausch- 
wirtschaft muß .. das Geld, wie jede Ware, den Doppelcharakter des Ver- 
brauches und Tausches tragen‘ (S. 121/122). 
Angesichts solcher Ausführungen kann man nur mit Marx _fest- 
stellen, daß es ‚Herrn Proudhon und seiner Schule vorbehalten blieb, 
die Degradation des Geldes und die Himmelfahrt der Ware ernsthaft als Kern 
des Sozialısmus zu predigen und damit den Sozialismus in ein elementares 
Mißverständnis über den notwendigen Zusammenhang zwischen Ware und 
Geld aufzulösen‘ (Kritik, S. 73). 
Grundsätzlich ist zur Frage der Abschaffung des Gelddar- 
lchens und -ziuses also nur wieder darzuf zu verweisen, was bereits 
im ersten Teii dieser Schrift (3. Kapitel, IV) bemerkt wurde: daß 
weder das Darlehen noch der Zins, weder die Kreditgewährung 
noch die dafür entrichtete Gegenleistung Sachverhalte sind, mit 
denen das Geld in notwendigem Zusammenhang steht” Natural- 
darlehen und Naturalzinsen sind theoretisch und praktisch ebenso- 
wohl möglich wie die entsprechenden Geldleistungen. Es ist also 
von vornherein verfehlt, zu glauben, man könne das Geld abschaffen, 
indem man den Kredit unentgeltlich macht — oder auch umgekehrt 
den Zins aufheben, indem man das Gelddarlehen aus der Welt 
schafft. Alle Eingriffe, die bei dieser Verwendung des Geldes 
ansetzen, sind in bezug auf seine Aufhebung — juristisch ge- 
sprochen — Versuche mit untauglichen Mitteln, wo nicht sogar am 
untauglichen Obiekt.
	        
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