Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

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es geht nicht an, in eine der wesentlichen Funktionen des Geldes 
einschneidend einzugreifen, ohne es damit zu seinem gesamten 
Dienst unfähig zu machen. 
a) Auf der einen Seite darf man nicht eine Funktion des 
Geldes willkürlich erweitern, darf z. B. der Geldrechnung 
nicht ein Gebiet unterwerfen, das für einen Geldverkehr, über- 
haupt für Austauschverhältnisse nicht in Frage kommt: 
„Die wirtschaftlichen Güter treten . . in die Geldrechnung nur in 
enen Mengen ein, die gegen Geld ausgetauscht werden. Jede Erweiterung 
des Anwendungsgebietes der Geldrechnung führt zu Mißgriffen. Die Geld- 
rechnung versagt, wenn man sie in geschichtlichen Untersuchungen über die 
Zntwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse als Maßstab der Güterwelt 
zu verwenden sucht, sie versagt, wenn man an ihrer Hand Volksvermögen 
und Volkseinkommen zu schätzen sucht wenn man mit ihr den Wert von 
Gütern berechnen will, die außerhalb des Tauschverkehrs stehen, wie etwa, 
wenn man die Menschenverluste durch Auswanderung oder durch Kriege in 
Geld zu berechnen strebt‘ (ebenda, S. 96/97). 
od) Auf der anderen Seite wird der gesamte Geldesdienst ge- 
hemmt, wenn eine seiner wesentlichen Funktionen grundsätzlich 
eingeschränkt wird. Hier liegt z. B. der Grund, weshalb gegen 
den privatwirtschaftlichen „Mißbrauch“ des Geldes 
in der Konkurrenzwirtschaft —— sei es durch private, sei 
es durch öffentliche Wirtschaftspersonen — nichts Durch- 
greifendes unternommen werden kann, weshalb auch 
hier letzten Endes nur die Preisbildung am Markte die Regu- 
lierung der Störung veranlassen kann. Und aus demselben Grunde 
ist auch die Beschränkung der „Kaufbreite“, die Neu- 
rath fordert, und die der Umlaufsfähigkeit des Geldes eine prinzi- 
pielle Grenze setzt, als Dauerzustand undenkbar. Entweder 
muß neues Geld das alte ablösen wie seinerzeit Metallgeld das 
Vichgeld, Papier das Metall, — oder aber (falls dies durch Ge- 
lingen der Rationierung, durch Unterbindung eines jeden Hinten- 
herum verhindert wird) die Rückkehr zum primitiven Natural- 
tausch oder die Fortentwicklung zur Großnaturalwirtschaft ist die 
notwendige Folge. Soll die Rationierung, mit der die Umwand- 
lung begann, nämlich sinngemäß durchgeführt werden, so bedingt 
sie eine Bindung der Preisbildung, die Einführung von Natural- 
löhnen, Naturaldarlehnen, Naturalsteuern usw., wie dies Neurath 
ganz richtig in Betracht zieht. Unter diesen Umständen ist aber 
auch die Geldrechnung nicht mehr das geeignete Mittel, die 
gesellschaftlichen Wertschätzungen zueinander in Beziehung zu 
setzen.
	        
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