Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

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Daraus ergibt sich nun die weitere Frage: wie wird der 
aach wie vor bestehende Zweck des Geldes in der geldlosen 
Wirtschaft erreicht? Wie vollzieht sich nun die gesellschaftswirt- 
schaftliche Wertrechnung und Überleitung des Sozialprodukts an 
die Konsumenten? Hat die geldlose Wirtschaft gleichwertige 
Mittel an der Hand, um den gesellschaftlichen Güterprozeß im 
Lauf und in fortlaufender steigender Verbesserung zu erhalten? 
Hier kommen wir an eine Frage, wo die Meinungen besonders 
scharf einander widerstreiten. 
Einerseits denkt Neurath an eine „‚Wirtschaftsordnung, in welcher 
Produktion und Verteilung ohne Zugrundelegung eines ein- 
ıaeitlichen Maßes, weder des bisherigen Geldes noch des Arbeits- 
geldes noch sonst einer ähnlichen Einrichtung, geregelt werden... Die Na- 
turaleinkommen könntenin Typen gruppiert werden, welche 
durch bestimmte Mengen und Qualitäten von Nahrung, Wohnung, Kleidung 
ısw. charakterisiert erscheinen“ (Kriegsw., S. 171). 
In schäristem Gegensatz dazu meint Lederer, ‚für theoretisch 
arientierte Leser bedarf es keines besonderen Hinweises darauf, daß die von 
Neurath mit soviel Energie betonte Naturalwirtschaft rationell ohne 
irgendeine Quantifizierung, also ohne Geld (ob nun Gold oder Arbeits- 
zeld, ist gleichgültig) unmöglich ist‘ (Besprechung, S. 812/813). 
Mit der bloßen Behauptung der praktischen Möglichkeit oder 
Unmöglichkeit einer geldlosen Wirtschaft ist für die Lösung der 
Frage nicht viel gewonnen. Zwar wird eine voll befriedigende 
Antwort schon aus Mangel an Erfahrungsstoff nicht zu finden 
sein, immerhin läßt sich aber wenigstens ein gewisser Einblick in 
lie notwendigen Voraussetzungen gewinnen, unter denen 
aine geldlose Gesellschaftswirtschaft praktisch überhaupt Bestand 
haben kann. Es muß erörtert werden, wie die beiden gesellschafts- 
technischen Aufgaben des Geldes — der ziffernmäßig einheitliche 
Ausdruck sämtlicher individueller Nutzen- und Kostenschätzungen 
und die Vermittlung des Austausches der Güter- und Dienst- 
leistungen — in einer grundsätzlich auf die Beseitigung des Geldes 
aingestellten Wirtschaft gelöst werden können, und welche Grenzen 
diesen Bestrebungen gesetzt sind, 
ı. Wenn nicht die Zeiten des primitiven Tauschverkehrs 
wiederkehren sollen, so bedürfen die wirtschaftlichen Wer- 
tungen der Menschen auch in der Naturalwirtschaft der 
gesellschaftlichen Vereinheitlichung. Selbst mit der An- 
nahme, daß alle individuellen Interessengegensätze innerhalb der 
Gesellschaft verdrängt werden könnten, entfällt nicht die allge- 
meine naturgegebene Güterknappheit, die gerade erst durch das
	        
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