„ZZ
gesellschaftliche Wirtschaften ausgeglichen werden soll. Nicht
nur in der kapitalistischen, sondern in jeder entwickelten Gesell-
schaftswirtschaft bestehen — als gesellschaftliche Wesenheit —
die Probleme der Arbeitsteilung und -vereinigung, der gesell.
schaftlichen Vorratsbildung und Gefahrübernahme und der Ver-
teilung der (leiblichen und geistigen) Genußmittel auf die einzelner
Glieder der Gesellschaft. Was sich ändern kann, ist nur die Art
wie diese gesellschaftstechnischen Aufgaben gelöst werden: ob
grundsätzlich der einzelne Mensch sein wirtschaftliches Verhalten
selbständig bestimmt und als Wirtschaftsperson, als Einzelwirt
(„Privatwirt“) mit den anderen ebenso gestellten Genossen in einer
Wirtschaftsverkehr tritt, — oder ob im Prinzip „die Gesell-
schaft“ die alleinige wirtschaftende Persönlichkeit ist und nur ein
einziger Wille, der „Kollektivwille“ der Gemeinschaft, im Wege
der Wirtschaftsverwaltung über die Verhaltungsweisen ihrer Glieder
entscheidet. In beiden Fällen bilden den letzten Antrieb. der Wirt-
schaft die Bedürfnisse der einzelnen Menschen, die hinsichtlich
der Notwendigkeit ihrer Befriedigung unter dem Gesichtspunkt
der Lebenserhaltung abgestuft werden, und deren Sättigung durch
die natürliche Güterknappheit gehemmt ist. Aus diesem Tatbe-
stand, welcher die letzte, wirtschaftswissenschaftlich nicht mehr
beweisbare Voraussetzung jedes Wirtschaftens überhaupt bildet.
folgt mit logischer Notwendigkeit für alle gesellschaftliche
Wirtschaft eine natürliche „Interessen-Rivalität“ (Schäffle) der
Genossen. Und der Unterschied der Verkehrs- und Verwaltungs-
wirtschaft ist nicht etwa darin zu suchen, daß dieser naturgegebene
Zustand durch die letztere beseitigt würde, sondern daß der Gegen-
satz vor-Wwirtschaftlich bleibt, nicht sich zum Konkurrenzkampf
in der Wirtschaft auswächst. Während in der „freien“ Verkehrs-
wirtschaft der Streit in dem „Recht des (wirtschaftlich) Stärksten‘
sein Ende findet, soll in der Verwaltungswirtschaft ein jeder gleich-
mäßig dem Gemeinwillen unterworfen werden. Wirkt sich die
Interessen-Rivalität kapitalistisch im „freien Spiel der Kräfte“.
d. h. im Gegeneinander des Wirtschaftens aus (man beachte die
sprachliche Verwandtschaft von „Tauschen“ und „Täuschen
„Handel“ und „Händel“!), so will der Sozialismus das durch die
„Vergesellschaftung“ aller wirtschaftlichen Machtmittel verhindern
Die „soziale Frage“ wird dadurch nicht aus der Welt geschafft.
sondern nur ihre Lösung aus einer wirtschaftlichen zu einer
politischen Aufgabe umgewandelt. Die Gestaltung der Gesell.
schaftswirtschaft wird auch hier durch die Mannigfaltigkeit der