Der tatsächliche Ausgangspunkt ist vielmehr gerade das Vergeb-
liche aller solcher Bemühungen, und die zu erörternde Frage geht
dahin, ob die Bestrebungen der Geldreformer nur zu-
fällig oder mit Notwendigkeit fehlgingen. Vielleicht waren
äußere Umstände, die mit dem Geld an sich gar nichts zu tun
hatten, daran schuld? Oder lag es in der Natur des Geldes? Er-
lauben die Zwecke, denen es dient, seine Aufhebung nicht? Ist
seine Beseitigung‘ schlechthin unausführbar oder, wenngleich mög-
lich, doch unzweckmäßig? Unumwunden bejahen kann man
keine der letzteren Fragen, schon weil man einer von Menschen
geschaffenen Einrichtung nicht Ewigkeitscharakter zuerkennen
kann. Andererseits sprechen die Tatsachen auch keineswegs für
die Möglichkeit oder gar Zweckmäßigkeit der Abschaffung des
Geldes. Mithin wird es wünschenswert, einmal grundsätzlich die
Grenzen des Geldes festzustellen: die Bedingungen, unter
denen es ganz oder teilweise entbehrt werden kann.
IL
Die Lösung dieser Aufgabe hängt ihrerseits von der Beant-
wortung einer Vorfrage ab: Was ist Geld? Was bedeutet es;
Welchen Sinn hat es? Wenn wir seine Grenzen erkennen, seine
Entbehrlichkeit prüfen wollen, so müssen wir uns zuvor über sein
Wesen klar werden. Es genügt nicht, den Sachgehalt und
Wertcharakter irgendeines tatsächlich (d. h. in einem unserer Kultur-
länder zu einer historischen Zeit) vorhandenen Geldes zu erforschen;
für die Würdigung der durchweg nur auf Phantasievorstellungen
gegründeten Reformvorschläge sind aus der Erfahrung keinerlei
Maßstäbe zu gewinnen. Wir bedürfen dazu allgemeinerer Grund-
lagen als nur der Ergebnisse der historisch-statistischen Tatsachen-
forschung: wir brauchen Wesenserkenntnis,
Jede wissenschaftliche Betrachtung des Geldes, sei es die
Untersuchung historischer Einzelerscheinungen, wie des Viehgeldes
im Altertum oder des Kriegsnotgeldes der jüngsten Vergangen-
heit, oder eine statistische Erfassung etwa der gegenwärtig bei
uns umlaufenden Papiergeldmassen — jede solche Betrachtung
hat, wenn auch immer in einer gewissen Beschränkung, „das
Geld“ zum Gegenstand. Viehgeld, Notgeld, Papiergeld sind offen-
bar ganz verschiedene Tatbestände, aber doch alle umfaßt von
einem allgemeinen Geldbegriff, alle bloß Arten des Geldes über-
haupt. In dieser Allgemeinheit des „Überhaupt“ nur steht das
Geld für uns in Frage. Nicht darum handelt es sich, ob das